196 Seide und Seidenbau.
Seidenwurm aus China, der vorzüglich schöne weißeSeide giebt, hat nun bei uns (in der Gegend von Lyonin Frankreich) über die Vorurtheile gesiegt, die mansonst gegen ihn hegte. Unsere Seidenbauer habensich jetzt selbst vollkommen davon überzeugt: daß 1) derSeidenwurm aus China der Sterblichkeit nicht mehrunterworfen ist, als d>er gewöhnliche, der zuweilen gelbeSeide spinnt; so wie davon, daß er: 2) robuster ist urdeinen stärkeren Faden spinnt, als der letztere; 3) daß ersich früher einspinnt; 4) daß er eine Seide spinnt, derenweiße Farbe unveränderlich ist, und bei der künstlichenFärbung lebhaftere Farben annimmt. Haumannführt in seinem Werke, S. 259, sechs Spielarten derSeidenraupen an, welche man nach den Cocons, die siespinnen, unterscheidet und bezeichnet.
1) Die großen rothen oder großen Spani-schenRaupen. Ihre Cocons haben die Größe derEyer eines jungen Haushuhnö und auch beinah die Ge-stalt desselben, nur sind sie an beiden Spitzen gleichför-mig zugerundet. Ihre. Farbe ist bloß fleischfarben oderhochrösenrokh. Die Eyer haben ein helleres Aschgrau,als die des gemeinen Spinners, mit einem starken Au-sluge von Purpurfarbe. Die Seide dieser Art soll stär-ker und glänzender seyn.
2) Die kleinen rothen oder kleinen Spani-schen Raupen. Ihr Cocon kommt an Größe undForm fast dem Ey eines Rebhuhnes gleich. Die Farbeist wie bei der vorigen Art.
3) Die große nMayländer oder großen gel-benRaupen. DieCocons sind von derGröße einer klei-nen Wallnuß, länglich, an beiden Spitzen zugerundet, undMitten an den Spitzen etwas niedergedrückt oder abge-plattet. Die Farbe derselben ist mehr gelb, nur in'SRothe spielend. Die Raupen zeigen mehr Lebhaftigkeit,als die der Spanischen Arten, weshalb man glaubt, daßsie sich besser erziehen lassen, und auch nicht den Gefah-