Band 
Hundert und zwei und fünfzigster Theil, welcher die Artikel Sege bis Seihezeug enthält.
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Seide und Seidenbau. 359

spelt worden, so bringt mau sie, ehe sie zusammengelegtwird, in einen Keller oder in eine kühle Kammer, de-ren Boden zuvor mit reinem Wasser besprüht worden.Hier wird sie so aufgehängt, daß sie zwei Fuß hochvon dem Fußboden abstehet, damit die Luft auf sie wir«ken kann. Man muß sie jedoch vor dem Sonnenscheinund der Zugluft bewahren. Hier läßt man sie zwölfTage, indem man dabei beabsichtiget, daß die Seide keinescharfe Trockenheit bekomme, sondern geschmeidig bleibe.Herr v. Türk macht bei diesem Aufbewahren der Seideauf die Motten aufmerksam. Er hatte nämlich meh-rere Strähnen der feinsten weißen Seide, die in einemKoffer verwahrt waren, zerfressen gefunden, und beigenauer Untersuchung fand sich, daß solches durch einInsekt geschehen war, welches derselbe, da er es nicht ent-decken können, für eine Motte gehalten, es können aberauch andere Insekten solches bewirken. Es ist daherbei der Aufbewahrung der frisch gehaspelten Seide diegrößte Vorsicht nöthig, und man thut daher am besten,erst die Kisten, worein sie gelegt werden soll, mit Papierauszukleben, solches mit einer Koloquinten-Abkochungzu bestreichen, dann mit in Terpentinöl getränktes Pa-pier oder auch harziges Kienholz, welches noch mit Ter-penlinspiritus bestrichen werden kann, zu den Seitenherum, und zwischen die hineingelegte Seide zu legen,und dann den Kasten mit einem gut schließenden Deckelzu verschließen. Nach Verlauf von zwölf Tagen wer-den die Strähnen zusammengelegt, wozu man sich nachHerrn von Türk des sogenannten Caritschstockes, einerArt Streckstockö, Jtal. Oavioliia, bedient, der an einemsolchen Orte aufgestellt wird, wo keine Zugluft herrscht.Man zieht nun die Strähnen in gleicher Länge aus, wo-durch man bezweckt, daß die Fäden sich vollkommen an-einander legen, geschmeidig werden und einenhohen Gradvon Glanz erlangen. Der Caritschstock muß folgendeBeschaffenheit haben: Er muß aus hartem Holze ver-