Band 
Hundert und zwei und fünfzigster Theil, welcher die Artikel Sege bis Seihezeug enthält.
Seite
276
JPEG-Download
 

276 Seide und Seidenbau.

es wohl gerathener, daß solche den Privaten allein über-lassen werden, um durch Concurrenz einen solchen In-dustrie-Zweig zu heben; allein bei denjenigen Industrie-Zweigen, die in den Staatsschatz und in das Staats-wohl so mächtig eingreifen, die so augenscheinlich ihrenmannigfaltigen Nutzen und ihren Reichthum den Re-gierern, wie den Regierten entfalten, als der Seiden-bau, da ist es auch nöthig, daß ein solcher Zweig durchaußerordentliche oder ungewöhnliche Mittel uykerstühtwerde, und diese befinden sich nur in den Händen derRegierungen. Wie wichtig dieser Industrie-Zweig inDeutschland, und namentlich für Preußen, ist, wirdaus einem Aufsätze im allgemeinen Anzeiger derDeutschen, Nr. 142, vom Jahre 1826 erhellen, derdie Ueberschrift führt: „Ueber die Seidengewin-nung in Nord-Deuschland, die Möglichkeitund Nützlichkeit ihrer Einführung daselbst,und über issre vermehrte Ausbreitung inPreußen insbesondere." Aus diesem AufsäheohneNamens-Unterschrift, wahrscheinlich von dem ver-storbenen Freiherr« vonLichtenstern, gebe ich hiernun Folgendes r

Man schien sich in Deutschland nicht zu übereilen, in-dem man sich über den Klcidungssioff berathschlagte,welcher uns der angemessenste und ihn einheimisch znmachen der dienlichste seyn dürfte. — Und es stoß bei-nah die Halste eines Jahrhunders dahin, bis die Ver-vollkommnung der Schafzucht auf ihren heutige» Stand-punkt gebracht worden, mo sie nicht nur unsere Bedürf-nisse zu befriedigen im Stande ist, sondern selbst zneinem Gegenstände eines bedeutenden Ausfuhrhandels ge-worden, ist, und doch hat uns Deutschen solche nie sogroße Summen entfremdet, als die Seide. — Bei derWolle der Schafe handelt es sich nicht-sowohl um dieHerbeischaffung, als vielmehr nur nm die Veredlungeines bereits seit langem einheimisch gewordenen, undum die Vermehrung eines Produkts, wodurch die gestie-