Seide und Seidenbau» 285
dadurch also über jede Versuchung zu gewinnsüchtigenUnternehmungen hinausgesetzt, geselle ich mich bloß zuder Anzahl guter Bürger, und liefere hiermit meinemneuen Vaterlande- aus Liebe und Begierde auch etwaszu dessen allgemeinen Vortheil beizutragen, eine ReiheBemerkungen und Erfahrungen im Seidenbau rc»
Wenn nun Bolzanis Verdienste in neuester Zeitum die Wiederbelebung des Seidenbaues in dem Preu-ßischen Staate, seinem neuen Vaterlande, gewiß sehrgroß genannt werden können, besonders da er auf feintKosten, Leute, die mit der ganzen Behandlung der Sei-denwürmer und des Seidenbaues vertraut sind, hataus Italien kommen lassen, und sie Jahre lang unter»halten hat, um seine Mitbürger mit diesem Industrie-Zweige genauer bekannt zu machen, so kann man dochauch nicht in Abrede stellen, daß schon in der zweitenPeriode des Seidenbaues in Preußen, so wie überhauptin Deutschland, namentlich in Bayern und Baden,für die Seidenraupenzucht unendlich viel gethan wor-den; ja daß sie schon in bester Blüthe stand, auch wohlunterrichtete Männer darüber geschrieben; der Grundihres Mißlingenö lag daher nicht in der Zucht der Sei-denraupen und in dem Gewinnen der Seide allein, son-dern auch darin, daß die gewonnene Seide nicht gehö-rig gehaspelt worden, also in Mangel an zweckmäßigenHaspelanstalten. Solches ist auch jchon damals gefühltworden; denn der Plantagen-Jnspector DreweS sagtin dem Vorberichte seines oben, S. 98, angeführtenWerkes f
In Ländern, wo der Seidenbau-Betrieb blühet, wer-den die gewonnenen Cocons den Andauern der Seidevon den Fabrikanten nach einem steigenden und fallen-den Preise, je nachdem die Witterung dem Betriebegünstig oder widrig gewesen ist, ihrer Güte nach- ange,kauft, von ihm gehörig sortirt, und nach Fähigkeit derSpinner zur Abhaspelung jeder Sorte Seide vertheilt.