Band 
Hundert und zwei und fünfzigster Theil, welcher die Artikel Sege bis Seihezeug enthält.
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Seide und Seidenbau. 287

wenn er den Anweisungen folgen will, gehörig nützen,da er nicht so starken Verrath davon hat, daß er sievorher in gehörige Sorten bringen, darnach zurichten,und nach Verschiedenheit derselben auch verschiedene ArtGarne spinnen lassen kann? Geschieht dies nicht, so wirdder Werth der Floret durch die Zurichtung mehr vermin-dert, als vermehrt; denn was beim Seidenbau als Flo-rct verbleibt/ ist mit den Lumpen beim Papiermachen zuvergleichen, so wie diese vor aller Zurichtung in gewisseSorten getheilt werden müssen, eben so muß auch dieFloretseide sortirt werden. Es würde also dem Seiden-bau, und überhaupt zu stärkerer Verbreitung des Sei-denbaues sehr vortheilhaft seyn, wenn dem Anbauer Ge-legenheit verschafft würde, die gewonnenen Cocons mitalle dem, was Flock und Floret heißt, dem Werthe nachzu verkaufen.

Das Haspeln der Seide ist also ein höchst wichtigerGegenstand, von dem das Gelingen des Seidenbauesbesonders abhängt, weil noch so gut erzielte Cocons,wenn die Seide davon nicht gut abgehaspelt wird, im-mer einen schlechten Ertrag liefern werden. Besondersliegt solches an dem Haspeln der Seide von einzelnenPersonen, die solches zum Theil nicht gehörig verstehen,ober nicht die nöthige Sorgfalt anwenden; denn daßauch schon zur Mitte des letzten Drittels des vergliche-nen Jahrhunderts in der Mark Brandenburg guteSeide gehaspelt worden/ bezeichnet Matteo Live-rati, indem derselbe berichtet/ daß er Seide gesehen,die auf den Gütern des Staats-Ministers Herrn vonHerzberg gehaspelt worden, die von der Piemontesi-schen nicht zu unterscheiden gewesen; eben so vollkom-men waren auch glatte und faconnirte Zeuge ausgefal-len, die der genannte Staatö-Minister in Berlin ausder genannten Seide hatte daselbst verfertigen lassen.Auch damals waren die Haspel schon nach Piemoncesi-scher Art eingerichtet, welche die beste in Europa war;allein Liverati klagt auch, daß besonders an kleinen