Seide und Seidenbau. S89
nur wenig Haspeln, wenn er es auch kann, damit er seinAmt, als Küster und Schullehrer, nicht versäumt; nunbat er vielleicht Niemanden der Haspeln kann, oder dieFrau, die sonst gehaspelt, liegt krank, er muß also beieinem andern Schullehrer Haspeln lassen, der hat abervielleicht mit seiner eigenen Seide zu thun; es bleibtibm dann'nichts übrig, als die Cocons um den halbenPreis,und zuweilen auch noch niedriger, zu verkaufen. Ichkenne mehrere Fälle, wo die Schullehrer das Pfund ge-backene einfache Cocons von vorzüglicher Güte zu 7^Sgr., höchstens zu 12^ Sgr. verkauft haben, von die«sen hätten 7 Pfund wenigstens 1 Pfund Seide gege-ben ; sie haben also für 1 Rthlr. 22^ Sgr., oder höchstenszu 2 Rthlr 27^ Sgr. verkauft, was, nach Abzug desHaspellohns 5 Rthlr werth gewesen wäre. Anderehaben ein ungünstiges Lokal oder schlechtes Wasser —sie quälen sich mit dem Selbsthaspeln, und wenn sienun ihre Seide dem Fabrikanten bringen, so will siedieser ihnen nicht abkaufen, oder er zahlt ihnen nur dieHälfte dessen, was er für gut gehaspelte Seide zahlenwürde, und selbst die wirklich gut gehaspelte Seide wirdniedriger bezahlt, weil der Käufer schon oft betrogenworden." — Hieraus gewahrt man nun, daß uns, wieschon oben an mehreren Stellen bemerke worden, guteHaspel-Anstalten fehlen. Wir müssen daher dahintrachten, große Anstalten dieser Art anzulegen, damitunsere Seidenbauer, gleich denen in Italien, die gewon«nenen Cocons, gleich nach beendigter Seidenerndtd, nach 'dem wahren Werthe verkaufen können; sie wären dannaller Sorge überhoben. Man kann auch beim Abha-speln größerer Quantitäten Seide die Cocons sorgfältigersortiren und gleichmäßiger abhaspeln. Eine solche gutgehaspelte Seide kann man höher verkaufen, wodurchsich dann auch der Preis der Cocons heben wird; jader Seidenbauer, der die gehörige Sorgfalt bei derSeidenraupenzucht anwenden würde, kann dann gewiß<vec. techn. Lnc. Theil <Hk. T