Seide und Seidenbau. 303
daß sie alle neuesten Schriften über «Maulbeerbäume,Seidenzucht und Scidenfabrikation in ihrer Biblischessammelt, auch alle neueste Notizen und Erfahrungendazu gefeilt/ um stets auf der höchsten Stufe allesNeuen und WIssenswertheU zu stehen, und hiernach dieweiteren Maaßregeln nehmen zu können. Ueber alleVerhältnisse und Bedürfnisse stellt sie ferner das Mit-telorgan zwischen den Seivenjiehern und der Regierungvor, um so im. Stünde zu seyn, überall Ermunterungzur Seidenzucht, und die vvlleste Intelligenz datüber zuverbreiten, auch die Vortheile davon immer höher, so-wohl in Ansehung der Seidenzucht, als des SraateSselbst zu steigern- Daß sie nicht minder die Sache derPrämien und Preise für die SeideNziehcr, Und den Ab-satz der Cocons, kurz Alles auf die Seidenzucht Ein-schlägige ;U leiten bat, versteht sich von selbst, Kiegleichen Dienste hat sie dann zu leisten, bei der Seiden-fabrikativn selbst, wenn diese durch den großen Markt.der Cocons einmal eine Bedeutenheit erlangt hat. Die-ser ganze Wirkungskreis wurde bisher von der Seiden-ba.u-Depurati'on in München auf die besagte Weise ver-folgt, und es zeigten sich bereits die entsprechendstenResultate, welche bei gleicher Thatiakeit auch für bisZukunft uicht fehlen werde».
In mehreren Staaten Deutschlands gehen die Regie-rungen in neuester Zeit von dem Grundsätze bei Einfüh-rung des Seidenbaues aus, daß derselbe erst ganz den Pri-vaten zu betreiben überlasten werden Müsse, ohne daß dieRegierung durch irgend eine Unterstützung einschreite, undsie nur.dann erst hülfreich einschreite,wenn dieserJndustrie-Zweig wirklich Eingang gefunden und Mit Liebe betrie-ben wird, Dieser Grundsatz, wahrscheinlich durch dasfrühere Mißlingen der Seidenraupenzucht herbeige-führt, ist zwar nicht zu tadeln, weil der Staat zu vieleKanäle hak, wohin er seine Einnahme auf eine nichtminder wohlthätige Weise leiten muß; allein so einträg-lich auch die Betreibung des Seidenbaues sich den Pri-vaten in den Schriften über den Seidenbau vorspiegeln