304 Seide und Seidenbau.
mag, so sind doch wenige Reiche zur Betreibung dessel-ben entschlossen, weil nicht nur das Gelingen ihnenmißlich scheint, sondern weil auch ein gewisses Kapitalhineingesteckt werden muß, welches nur erst nach länge,rer Zeit Zinsen zu tragen verspricht, wie solches z. B.mit der Anpflanzung der Maulbeerbaume der Fall ist.Durch das Betreiben des Seidenbaues im Kleinenkann aber dem Staate kein wesentlicher Nutzen gesche-hen, wenn auch dadurch hin und wieder eine Hand be-schäftrget und ein geringes Einkommen vermehrt wird,wie solches im Preußischen Staate in der ProvinzBrandenburg noch aus dem Lande der Fall ist, wo derSeidenbau noch hin und wieder von Schullehrern undKüstern betrieben wird. Auch ist eö sehr natürlich, daßder bemittelte, der reiche Privatmann sich nicht zur Be-treibung eines Erwerbzweiges entschließen wird, vondem der Regierung so große Vortheile erwachsen,und für den sie doch selbst nichts thut, um ihn emporzu bringen. Und wenn er auch alle Vortheile, die ihm,als Privaten, für die Folge daraus erwachsen können,berücksichtiget, um sich zur Betreibung dieses Industrie-Zweiges zu entschließen, so muß ihn doch die Betrach-tung davon abhalten, daß er bei allen Mühen, bei allerBetriebsamkeit, und bei der Verwendung seines Kapi-tals, dennoch letzteres opfere, weil bei der Einzelnheik,in welcher dieser Erwerbszweig jetzt betrieben wird, undbei der immer noch herrschenden Vorliebe des Deutschenfür alle ausländische Erzeugnisse, er mit einem großenUnternehmen dieser Art scheitern würde. Wenn alsodieser, dem Staate so wichtige, Industrie-Zweig inSLeben treten und reichlich Früchte tragen soll, so müssendie Regierungen ins Mittel treten; denn nur dadurch,wie es auch in Bayern, Sachsen-Meiningen rc.schieht, kann der Privatman aufgemuntert werden, sichdiesem Erwerbszweige hinzugeben. Alle Rücksichtenauf Steuern, die von der aus dem Auslande eingefühnten Seide erhoben werden, und der Regierung viel ein-