Seide und Seidenbau. 325
geseht, manchmal auch aus drei oder vier Faden. DieZubereitung derselben weicht sehr von derjenigen ab,die man den übrigen Sorten giebt, weil die Kettenseidemehr Stärke und Festigkeit erfordert, als bei der Ein-tragseide nöthig ist.— Die Tramseide, Ein«trag- oder Einschußseide, ist diejenige, welchezum Einschuß der seidenen Zeuge gebraucht wird, undvon der man seidene Strümpfe, Handschuhe rc. webt.— Plattseide wird die »»gezwirnte Seide genannt,die zubereitet und gefärbt wird, und dann zur Sticke-rey angewendet werden kann. — Torsseide oder ge-drehete Seide, ist diejenige, welche man gehaspelt,gesponnen und doublirt hat. Diese ist mehr oder we-niger gezwirnt, je nachdem sie mehr oder weniger durchdie Mühle gegangen.
Die rohe Seide ist nach ihrem Vaterland?, worin sieerzeugt wird, auch von verschiedener Güte, Die feinsteund beste rohe Seide ist die Chinesische, die sichvor allen übrigen in der weißen natürliche» Farbe aus-zeichnet. Sie ist aber sehr theuer und leidet beim Ge-brauche einen starken Abgang, weil sie sehr schlecht ge-haspelt ist. Dieser in Hinsicht der Güte nach, folgtdie Seide aus der Levante, die über Smirna ausden Reichen des großen Moguls aus Persien, Klein-Asien, und auch aus den Inseln des Archipelagus nachEuropa kömmt. Nicht viel geringer, als die Levanti-sche ist die Italienische, Die beste ItalienischeSeide kommt aus Bologna, Florenz, Messina, Ber-gamo, Reggio und Mayland. Mayland ist der Cen-tral-Handlungspunkt für die Seide in Ober-Italien;nur die Provinz Bergamo macht hiervon eine Aus-nahme, da sie seit Jahrhunderten ihre Seide unmittel-bar nach England verkauft. Die schönste Seide unddie feinsten Gespinnste, auf gewöhnlichen und aufDampf-Spinn-Maschinen abgewunden, werden in Pie-mont, in den Provinzen Mayland, Como, Bergamo