Seidenfärberey. 365
im Schatten zum Trocknen auf. Oder man beitzt dieSeide zuerst in dem Alaun zwölfStunden lang nur kalt,macht hernach von der Farbenbrühe der Jndigotinkturmit frischem Wasser zurecht, rührt die Zinnsolutionkalt darunter, und legt die gebeitzte Seide so lange hin-ein, bis sie Farbe genug angezogen hat; ringt sie dannstark aus, spült sie in fließendem Wasser rein ausund trocknet ste im Schatten. Dieses giebt kalt gefärbtnoch lebhaftere Farben, und mit mehr Glanz, alswarm gefärbt; allein keine ist auch so fest, als schön.Alle dunkelblaue Farben muß man nie mit der Indigo-tinktur färben, sondern aus der kalten oder warmen Jn-digoküpe; denn die dunklen Farben aus der genanntenTinktur werden nicht fester, als die hellen. Die dun-kelblauen Farben aus der Jndigorinktur werden auch theu-rer, als die guten, dauerhaften Farben aus den Küpen,und da sie mit so viel saurem Salze überladen sind, soschadet es der Seide; sie wird davon hart und spröde,und verliert ihren Glanz.
Da das Berlinerblau auch eine sehr lebhafteFarbe und einen auffallenden Glanz besitzt, so habensich viele Sachkundige, unter andern auch Mac querund der Abt Menon viele Mühe gegeben, dasselbe indie Färberey ebenfalls einzuführen. Man nimmt Ber-linerblau, welches mit schwefelsaurem Eisen (grünemVitriol) gemacht worden, und stößt es zu einem feinenPulver; hierauf gießt man nun eine siedendheißeSchmackbrühe, und läßt diese Mischung, nachdem mansie 24 Stunden gut umgerührt hat, ruhen. Nachhergießt man unter die Mischung einige Tropfen Scheide-wasser, rührt Alles wohl durcheinander, und so läßtman es noch einmal 24 Stunden ruhig stehen. DieDosis von dem Blau ist hier willkührlich; was dieMenge des Wassers, des Schmacks und des Scheide-wassers anbetrifft, so muß dieselbe erst durch mehrereVersuche genauer bestimmt werden, um sich nach der