Schaf und Schafzucht. 555
und diejenigen Schafe, Hammel und Lämmer, dieHörner besitzen, haben, obgleich die Hörner zu ihrerVertheidigung sehr ungeschickt zu seyn scheinen, einbesseres Ansehen, als diejenigen, die sie entbehren,welche überhaupt dümmer und schwächer sind.
Figur und Stellung dieser Thiere zeigen wederHurtigkeit oder Starke, noch Muth; denn ihr Kör-per gleicht einem unförmlichen Klumpen, welcher aufvier dürren und steifen Füßen, wie auf Stöckenruht. Die vordern stehen ganz gerade, die Hinternmachen dagegen eine ganz einfache oder einförmigeKrümmung, mit vorwärts gekehrter Aushöhlung.Der Schwanz geht bis auf die Kniekehle herabund liegt ganz unbeweglich dicht am Körper, geradeso, als wenn ein Klumpen Wolle daran geheftetworden. Wenn die Widder sich erhitzen, welchesgewöhnlich zur Zeit des Begattungötriebes geschieht,wie schon oben angeführt worden, so gehen sie zwarauf einander los; allein man entdeckt gleich in ihrerersten Bewegung vielmehr Zaghaftigkeit und Furcht,als Muth und Hitze; denn sie bücken den Kopf nie-der und stehen unbeweglich vor einander; dann tre-ten sie näher und stoßen sowohl!mit der Stirn, alsmit dem Untertheile der Hörner stark zusammen.Ueberhaupt besteht ihre ganze Kunst sich zu wehrennur in dem Angreifen mit der Stirne, oder vielmehrdieselbe vor zu halten und damit zu stoßen. Beidem hartnäckigsten Streite findet man an ihnenkeine Veränderung. Das Auge bleibt ohne Feuerund Maul und Ohren bewegen sich fast gar nicht.
Gegen die Veränderung des Wetters sollen dieSchafe eine ganz besondere Empfänglichkeit zeigen,wie solches der Abt RoyerSchabolin seiner Theo-rie des Gartenbaues anführt. Er sah nämlich, als er einstdes Mittags auf dem Felde spazieren ging, eine HerdeSchafe dicht vor sich Hintreiben. Plötzlich wurden diese