622 Schaf und Schafzucht.
den Glanz und die Menge der Seide, die das glück-liche Orient lieferte und nach und nach immer wei-ter verbreitete, sank der Werth der schätzbaren Schafe,
, der sanfte Ton der Hirtenflöte wurde durch das rau-schende Getöse der Kriegsdrommete und den lärmen-den Schall der Jagdhörner vollends übertäubt, dirLust zum Schäferleben ganz erstickt und das verlas-sene Schaf kam nun unter die Qbsichc des mit Ar-beit überladenen Ackermannes. Dieser gab ihm Hir-ten aus den allerniedrigsten seiner Standeögenossen.Unter der Leitung dieser, mit zerrissenen Lumpen be-deckten, in Rücksicht ihrer Sitten und Kenntnissesehr tief gesunkenen Menschen, mußte sich die Kul-tur der Schafe in jeder Hinsicht verringern, und sie Ihat sich wenigstens, in so weit dieses unser liebes !Deutsches Vaterland betrifft, bis auf unsere neuere ,Zeiten (1799) ziemich auf dieser niedrigen Stufeerhalten. Gotthard hat im Ganzen recht, was die ^Bildung der Schäfer bei den Alten in der Patriar-chalischen Zeit betrifft, wo der Diener ein Glied ider Familie bildete, und selbst Vater, Sohn und !Tochter sich nicht schämten die Schafe zu hüten; soauch späterhin bei den Griechen; allein die Culturder Schafe war wohl nicht auf einen nur ähnlichenGipfel gediehen, wie wir sie jetzt treiben. Auf denreichen Weiden des Orients überließ man die Schafenur ihrer eigenen Neigung sich von den köstlichen fGräsern und andern Kräutern zu sättigen. Die ge-bildeten Schäfer folgten aber dabei ihren Lieblings.Ideen und Schwärmereien, wozu ihnen das glück-liche Klima Alles darbot; an eine Veredelung derRace, an eine Zucht im eigentlichen Sinne, waraber wohl nicht zu denken.
Jetzt nun zur Geschichte der Veredlung derSchafe in den Europäischen Landen, in der ich mit
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