Schaf und Schafzucht. 621
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soll nicht, wie man gemeiniglich vorgiebt, ein Ackers-mann, sondern ein Schäfer gewesen seyn.
Daß das Schäferleben etwas Anziehenderesund Reizenderes gehabt haben muß, als jetzt, gehtaus den anmuthigen Hirtenliedern und Schäfergedich-ten der Dichter des Alterthumes hervor; denn un-möglich würde ihre Phantasie von einem wenig in-teressanten Gegenstände so eingenommen worden seyn,als es hier bei den glänzenden Schilderungen desSchaferlebens. Ja selbst bei uns, in der Mitte desverwichenen Jahrhunderts, kamen durch Geßn er dieSchäfergedichte wieder auf. Die Dichter ließenChloen mit ihrem getreuen Alexis die Süßigkeiteneines Arkadischen Hirtenlebens genießen; allein dieseGesänge waren nicht die Frucht des stillen romanti-schen Schaferlebens unsrer Gefilde, sondern Nach-klänge aus der alten Zeit, wo dieses Leben in denreizenden Gefilden des Orients wohl begeistern konnte.Auf unsern zum Theil ärmlichen Gefilden, und beider prosaischen Natur unserer Schäfer ist diese Be-geisterung wohl nicht möglich; dasselbe gilt auch vonden lieblichen Tönen der Schalmeyen. Obgleich ei-nige Naturforscher versichern, daß die Hammel vieleEmpfindung gegen die Reize der Musik und derStimme äußerten, begieriger weideten, sich besserbefänden und schneller zunehmen, wenn man sie oftdurch den Klang der Schalmeyen zu ermunternsuche; so sind dagegen doch andere der Meinung,daß die Musik wohl wenig Wirkung auf das Wol-lenvieh mache, sondern nur dem Schäfer zur Ver-süßung seiner langen Weile diene, auch scheine siesogar ihren Ursprung der müßigen und einsamen Le-bensart des Schäferstandes zu danken zu haben.
Gotthard sagt in seinem Werke „Vollstän-diger Unterricht in der Wartung, Pflegeund Behandlung der Schafe rc., S.6. Durch