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Feldzüge des Vicomte Türenne ... aus den ächtesten Urkunden / von Friedrich Wilhelm von Zanthier
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Feldzug vorn Jahr 1644.

tcn ihre Versammlung bis zum Ende des Junius verzogen; und weil sie bereits, wiegedacht, die Festungen Hohentwiel und Uberlingen, die Bayern nahe liegen, inne hat-te, so war der erste Entwurf des französischen Generals, auf dieser Seite vorwärts zudringen. Die Armee versammelte sich um Engen und Hohentwiel, rückte gegen Uber-lingen vor, und suchte durch einen Ueberfall Ravensburg einzunehmen; aber der An-schlag mislang, und die Kaiserlichen und Bayern, so unter dem Herzoge Carl dem vier-ten von Lothringen und dem Feldmarschall, Grafen von Mercy,*) sich versammelt,machten durch ihre Überlegenheit und gut gewählte Poster: alle Hoffnungen der Franzo-sen zu Schanden. Gucbriant kehrte plötzlich um und berennte Rothweil, um nach des-sen Eroberung dennoch, wo möglich, jenseits des Schwarzwaldes sich zu behaupten.Aber die Bayern folgten auf dem Fuße, die Belagerung wurde aufgehoben, und derRückzug jenseits des Rheins beschlossen und ohne Niederlage ausgeftchrt.

Zu Ende des Octobers, nachdem der Prinz Conde' **) in den Niederlanden beyRocroy gesiegt, Thionville erobert und nichts vor: den Feinden zu befürchten hatte, stießein Theil seiner Armee unter dem Grafen von Ranzau ***) zu dem Marschall Gue-briant, und dieser gieng darauf wieder über den Rhein. Die Kaiserlichen und Bayern,die fruchtlos, so wie er, auf der andern Seite des Rheins gestanden, folgten, um sichseinen Unternehmungen zu widersetzen. Gucbriant, 16 bis 180OO Mann stark, pas-Ain ly. No, sirte den Schwarzwald durch das kinzinger Thal, und rückte vor Nothweil. Der PlatzLcmber. gieng über nach einer Belagerung von fünfzehn oder sechzehn Tagen, einem abgeschlag-nen Sturm, und verschiedenen für die Belagerten glücklichen Ausfallen; aber Gue-briant verlor sein Leben durch eine Kanonenkugel, die ihm den rechten Arm zerschmet-terte, als er mit demselben eine Batterie anwies. Er starb am 24. November, undder Generallieutenant, Graf von Ranzau, übernahm an seiner Stelle das Commando.

Thcatrum Das spaiginger Thal, in welchem Rothweil liegt, hatte weder Fourage, noch,wie man glaubte, Dörfer genug, um die französische Armee allein verpflegen zu können,' und die Generale beschlossen daher, weiter vorwärts zu rücken, und ihre Cantonnirungs-quartiere von Doneschingen an bis nach Mühlen zu verbreiten. Dutlingen, Möhrin-gen, Geysingen, Mühlen und die umliegende«: Flecke«: und Dörfer wurden besetzt, Dut-lingen

*) Franz, nachmaliger Graf von Mercy, aus Vater Heinrich im Jahr 1646 starb. Cr war ge-Longwyck, im Herzogthr.m Bar. boren im Jahr 1621. Die Geschichtschreiber nen-

nen ihn den Großen.

**) Louis Bourbon der zweyte, Prinz von Con- ***) Josias, Graf von Ranzau, aus dem Hol-

de', damals noch Herzog von Enghien, bis sein steinischen, nachmaliger Marschall von Frankreich.