22
Fcldzug vorn Jahr 1644.
„Am fünf und zwanzigsten August nach einem zehntägigen Marsche erreichte die„Armee des Prinzen den Platz. Seine Besatzung bestand ohngefahr aus sechs bis sieben„hundert Mann Infanterie und achtzig Pferden, unter dem Gouverneur Bamberger.„Die ersten Tage wurden gebraucht, um einen Weg nach der Gegend, wo die Schiffe„landeten, zu machen, weil die Ufer des Rheins daherum voll Waldungen und kleiner„Inseln sind. Kaum aber war die Munition und das Geschütz am Lande, so öffnete„die Armee in der Nacht vom ersten September die Trancheen zu einer gedoppelten Atta-„que, die eine für des Prinzen, die andre für die Türennifche Armee.
Plan z. aus „Zwey oder drey Tage nachher thaten die Belagerten einen Ausfall gegen dieMerlan. „Tranchee des Prinzen, und die Wachten an der Tete der Arbeiten geriethen anfangs in„Bestürzung, erholten sich aber bald darauf wieder. Doch war in der That die Infante-rie durch alle die Gefechte von Freyburg so muthlos geworden, daß man gewiß keinen„Platz mit derselben würde erobert haben, der hart widerstanden hatte. Beyde Tran-„cheen erreichten den Graben ohne großen Verlust, weil die Feinde ihren bedeckten Weg,„der keine Pallisaden hatte und nicht wohl vertheidigt werden konnte, so zu sagen Preis„gaben. Da sie aber eine schmale Faussebraye, einen breiten und tiefen Wassergraben,„und viele Artillerie hatten, so hofften sie, beym Uebergange die Truppen der Belagerer„desto länger aufzuhalten. Den Franzosen aber kamen die große Menge Faschinen und„die Batterien zu statten, die auf beyden Seiten des bedeckten Weges gegen die Flanken„aufgeführt worden, so daß die Gallerie, ob sie gleich nicht wie bey den Belagerungen„in Holland bedeckt war, doch gar bald der Faussebraye sich nahte. Als die Besatzung„dies sah, und daß man am folgenden Tage am Hauptwalle, der blos von Erde war,„sich logiren könnte, so schlugen sie Chamade, und ergaben sich am neunten September„unter gewöhnlichen Bedingungen, daß die Besatzung ausrücken und nach Heilbrunn„transportirt werden sollte. Der Graf von Tournon, Marechal de Camp in der Ar-„mee des Prinzen, verlor bey dieser Belagerung das Leben, ein junger Officier von„hoher Geburt, und der keinem von seinem Alter an Ehrbegierde und Verdienste wich.
„Noch wahrend der Belagerung, und sobald die Schiffbrücke über den Rhein»fertig geworden, detaschirte man jenseits ein Corps von zwölf bis fünfzehnhundert„Mann, um Gernsheim damit wegzunehmen, das nur eine kleine Besatzung hatte, und„zur Sicherheit des obern Rheins nothwendig ward. D'Aumont commandirte das„Corps, nahm zwey Tage nach eröffneten Laufgraben den Platz ein, und rückte sodann„vor Speyer, das gleichfalls ohne Widerstand übergieng, weil der Ort weitlauftig ist,„keine Besatzung hatte, und auch von den Feinden kein Corps auf dieser Seite des
„Rheins