Bürgerlicher Krieg vom Jahr 1648 bis 1652.
Alsls der westphälische Friede geschlossen war, gierig die Armee des Königs nach ihren
Winterquartieren in Schwaben und dem würtemberger Lande, und der Mar-schall Türenne verblieb daselbst den ganzen Winter. Wahrend dieser Zeit wurden dieinnerlichen Unruhen in Frankreich so groß und so heftig, daß nach einem gefährlichenAuflauf in Paris, der über die Gefangennehmung zweyer Glieder aus dem Parlementeentstanden war, die Königin Mutter mit dem König die Hauptstadt verließ, und ihreArmee rings um dieselbe Posto faßte, in der Absicht, sie durch Hunger zu zwingen.Der Prinz von Conty, die Herzoge von Longueville, Elboeuf und Bouillon, und vieleandre Große verblieben in der Stadt, überzeugt, daß man während der Minderjährig-keit eines Königs keinen Schritt von so großen Folgen ohne Berathschlagungen mit denPrinzen vom Geblüt und den Großen des Reichs unternehmen könnte. Es schickteaber der Hof sofort einen Vertrauten an den Marfchall Türenne, um seine Gesinnun-gen zu erfahren, die dieser nicht verbarg; und er schrieb sogar an den Cardinal Maza-rin selbst, daß er keine Rechnung auf ferne Freundschaft machen sollte, wenn er aufsolche Art zu handeln fortführe, und daß, wenn der Marschall mit seiner Armee überden Rhein nach Frankreich zurückgienge, so würde es in keiner andern Absicht geschehen,als den Frieden in diesem Reiche herzustellen, und mit Nichten ein Unternehmen zu beför-dern, wozu man, seinem Erachten nach, so leicht nicht sich hätte entschließet: sollen.
Es verstrichen vierzehn Tage oder drey Wochen in Reisen vom Hofe zur Armee,und von der Armee zum Hofe, in welchen der Marschall nichts als seine wahren Gesnt-nungen zu verstehen gab, und die Minister nicht wollte glauben lassen, daß er nachseiner Rückkehr so ganz völlig von ihnen abzuhängen gesonnen wäre, als es seyn mußte,um eine Unternehmung zu unterstützet:, die er zu keiner Zeit, am wenigsten aber beyeiner Minderjährigkeit für rechtmäßig hielt, hier aber um so minder, da bisher noch nie-mand gegen den König die Waffen ergriffen, noch einen wahren offnen Ungehorsambezeugt hatte. Es hatten zwar allerdings einige Gerichtshöfe mit zu großer Hitze ge-handelt, mehr aber aus Privatinteresse, als aus einem völligen Schlüsse sich zuempören.
Türenne, nachdem er dem Hofe seine Gesinnungen wissen lassen, sprach mit denOfficieren, und alle zwey oder drey Regimenter ausgenommen gelobten, wohin er
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