Buch 
Feldzüge des Vicomte Türenne ... aus den ächtesten Urkunden / von Friedrich Wilhelm von Zanthier
Entstehung
Seite
134
JPEG-Download
 

Puysegur.

i z4 Feldzug vom Jahr 1652.

„Die Feinde wandten sich nach Vervins, wo man nur dreyßig Mann zur Be-satzung gelassen hatte, und nahmen es ein; der Cardinal aber beschloß, es wieder zu ero-bern, und die Armee des Königs gieng nach Marle, und von daraus nach Vervins, wodie Feinde nur ein einzig Regiment Infanterie und Cavallerie eingeworfen hatten, sodaß der Platz nach zwölf Stunden sich ergab. Die Feinde giengen nach ihrem Lande,und die Armee des Königs wurde nach allen seinen Provinzen in die Quartiere vertheilt.

Und so erfüllte, sagt der Marschall Puysegur, Türennesein Versprechen an denKönig. Er sagt nichts in seinen eignen Memoiren, worauf er die Hoffnung, den Fein-den das Winterquartier im Reiche zu verbieten, gegründet habe, hier ist was davon zuvermuthen. Es war schon weit im October, als die Feinde die Gegend von Laon ver-lassen hatten, um Rhetel zu belagern; und Türenne sah voraus, daß mit Anfang desWinters die Spanier nach den Niederlanden zurückkehren, und sodann die Armee desKönigs dem Prinzen, wenn dieser allein zwischen der Maas und der Aisne zurückbliebe,überlegen seyn würde. Hielt also der Marschall seine Armee zusammen, so konnte derPrinz es nicht wagen, in Winterquartiere zu rücken, und wurde Schritt vor Schrittrückwärts getrieben. Dies waren die Hoffnungen des Marschalls, und er erfüllte sieganz allein durch sich selbst. Man sieht von dem Tage an, da die Gefechte in der Vor-stadt vorgefallen waren, daß er ohne Schwerdtschlag, ohne die Sache selbst, oder Men-schen zu wagen, blos aus seinen eignen Kenntnissen, alle die Operationen, die endlichzu seinem Zwecke ihn geführt, entworfen habe, und daß sein kleines Heer, für das er alsVater sorgte, sie nur unterstützte. Das Gleiche sehn wir in dem Feldzuge vom Jahr 165z.Um ihn aber ganz zu versteh», muß man das Land und die Beschaffenheit der Gränzen,da er geführt ward, kennen. Denn es ist ein Irrthum, wenn man glaubt, daß einegewöhnlich seichte Lcctüre der Geschichte die Gründe und Triebfedern der Thaten ent-wickle. Hiezu gehört Studium, Arbeit und Nachdenken.

Die Somme machte in diesen Jahren die Gränzen von der Picardie. Sie ent-springt zu Fontsomme, einem Flecken zwey Stunden oberhalb St.Quintin, und ergießtsich nach einem Laufe von ohngefähr fünfund dreyßig Stunden zu St.Valery ins Meer.Sie stießt bey St. Quintin vorbey, einem bastionirten Platze mit Gräben, halben Mon-den und bedecktem Wege; sodann bey Ham, das damals gleichfalls befestigt war, unditzt nur ein Schloß hat; bey Peronne, einer Festung; bey Corbie, das Mauern undGräben und einige Erdwerke hat, die aber dennoch eine förmliche Belagerung erfodern;bey Amiens, einer großen Stadt, wie die vorige befestigt, und mit einem festen Schlosse;endlich bey Abbeville, einer großen halbbefestigten Stadt. Ein wenig oberhalb dieser

wird