r8o Feldzug vom Jahr 1655.
„Scharmützeln, und trug sich nichts merkwürdiges zu; denn der Feind gierig bey Conde'„über die Scheide, ließ zwey tausend Mann in dieser Festung, und zog sich zwey Stun-den vor Tages nach Tournay zurück.
„Es war schon spat am Tage, als die Avantgarde der französischen Armee dem'„feindlichen Lager gegenüber anlangte, die Scheide zwischen beyden; und der Marschall„schrieb darauf in'der Nacht an den Cardinal, der mit dem König zu le Quesnoy war,„und erstattete ihm von der Sache Bericht. Der Brief aber fiel in die Hände des„Prinzen, und dieser wurde durch zwey Stellen beleidigt: die eine, daß der Marschall„vorgab, der Prinz hätte den Posten von Valenciennes nicht verlassen wollen; die an-„dere, daß ein Escadron von seiner Arriergarde die Scheide mit Schwimmen passirt.„Das erste hatte der Marschall von verschiednen Personen von Stande gehört, die an„der Arriergarde des Prinzen mit seinen Officieren gesprochen, und es von diesen erfah-ren; das andre berichtete ihm der Oberste St. Lieu, und es waren auch in der That„einige Leute übergeschwommen, als die Brücken abgebrochen gewesen. Uebrigens„nennte sich der Marschall Türenne in der ganzen Relation nicht, und erwähnte weder„die Uebereilung des feindlichen Rückzugs, noch den großen Fehler, den sie begangen,„der Armee des Königs Anfangs entgegenzugehn, und ihr gegenüber einen Posten zu„beziehen, um sodann im Angesicht eben dieser Armee ihn wieder zu verlassen, und mit„solcher Verwirrung, daß sie alle ihre Flüsse und das vortheilhafteste Land, das man„nur denken kann, aufgaben, und mit einer Armee, die der Armee des Königs gleich„war, wenn sie nicht durch unndthige Besorgniß für ihre Plätze sich geschwächt hätte.
„Der Prinz wurde durch diese Erzählung äußerst beleidigt, und schickte demMar-„schall Türenne mit einem Trompeter den bittersten Brief, in welchem er unter andern„sagte, daß , weitn der Marschall bey seiner Avantgarde, so wie er bey seiner Arrier-„garde gewesen, er alsdann die Sachen besser gesehn, und nicht so viel Unwahres würde„berichtet haben. Zugleich schrieb der Prinz an verschiedne Officiers von der Armee„als eine Art von Manifest, und beschwerte sich bey dem Marschall la Fette', daß Tü-„renne in seinen Relationen nicht in guten Ausdrücken von ihm gesprochen. Türenne„empfieng den Brief des Prinzen in Gegenwart vieler Officiers, und wies ihnen densel-ben , ohne dem Trompeter sogleich eine Antwort zu geben. In der That erzürnte ihn„auch dieser Brief nicht, weil er innerlich überzeugt war, daß er nichts gethan, was„die Achtung, die er gegen den Prinzen hatte, oder die Ehrfurcht beleidigen könnte, die„man dem Prinzen von Geblüt schuldig ist, und er sah wohl, daß dieser, weil ihm die«Sache nMungen, durch eine Kleinigkeit aufgebracht wurde. Da indeß doch der
„Prinz