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Feldzüge des Vicomte Türenne ... aus den ächtesten Urkunden / von Friedrich Wilhelm von Zanthier
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Feldzug vom Jahr 1657.

Damm gewonnen hatte, so der einzige Weg ist, der von Polincoven nach Gravelinesführt, und den die häufigen Regen fast unwegsam gemacht hatten. Sturm und Nachtvereinigten sich zu ihrem Nachtheil, und brachten alles in so große Verwirrung, daß dieOfficiers die Leute nicht mehr zurückhalten konnten, und alles aus einander gieng, umHaus und Obdach zu suchen, so daß am folgenden Morgen auch nicht zehn Mann vonLrgends einem Regimente beysammen waren. Das Lager stand an diesem Tage zuBronkerke, und am zisten passirte die Armee zu Colme, und cantonnirte zu Dringamund andern benachbarten Dörfern, um sich ein wenig zu erholen. Das Land ist da-selbst so durchschnitten, daß man schwerlich en bawille campiren kann; die Entfernung«ber der französischen Armee machte die Stellung sicher. Der Marsch gieng am 2tenSeptember nach Montcassel, und, als man die Bewegungen der französischen Armee ge-gen la Motte au Bois erfahren hatte, weiter vorwärts nach Wormhout, wo man vom7ten bis zum i2ten verblieb, und auf die Nachricht von der Uebergabe des Schlosseswieder zurück über die Colme zu gehen beschloß.

„Türenne wußte zu der Zeit zwar wohl, daß die Feinde nahe an der Colme stün-den, ob sie aber übergegangen, wußte er nicht. In der Hoffnung, einen Theil dies-seits zu finden, ließ der Marschall feine Bagage im Lager, und mit dem Befehl, nachCassel zu marschiren und daselbst zu verbleiben. Er aber und die Armee brach auf undgieng mit einem einzigen Marsche von Merville bis nach Loberge; doch war die Witte-rung so sehr zuwider, daß nur ein Theil der Avantgarde mit einiger Ordnung anlangte.Die Gefangnen brachten, daß die ganze Armee des Feindes jenseits stünde; und alsman sie am folgenden Tage recognoscirte, sich man ihre Verschanzung bereits vol-lendet, und die Zeit der Unternehmung verschwunden. Die Armee des Königs lagertesich am i7ten bey der Abtey Wate. *)

Die Feinde, die hinter der Colme vom Fort Link an bis nach Vinoxbergen sichgesetzt, hatten den Posten von Bourbourg verlassen, die Schanze von Rupt aber be-wahrt. Der Marschall kam ihnen zuvor, daß sie die Dämme nicht durchstechen konn-ten,

*) Türenne kecognoscirte den Feind, und behieltdie Generale zum Mittagsessen, wo er sie als inder Unterredung um ihre Gedanken fragte; dennKricgsrath hielt er nie. Alles rieth zum Angriff,Türenne aber beschloß das Gegentheil, und, wiedie Folge lehrt, mit Recht. Es giebt aber der Ur-sachen viel, warum Generale, wenn sie subalternsind, ganz andern Rath geb§n, als sie befolgen

würden, wenn sie selbst commandirten. Einigewünschen das Gefecht, um durch eigne Thatensich hervorzuthun und ihr Glück zu machen. Andrerathen es blos aus Eitelkeit, oder in den Gedan-ken , daß der commandirende General schlagen will,da ihnen alsdann als den jungem eine zurückhal-tende Weisheit gar übel stehen würde.