Feldzug vom Jahr 1672. 29z
nach dem französischen Lager zu schicken, um über die Unternehmungen von Frankreichzu wachen, und, nachdem die Umstände es erfodern würden, durch ihre Vorstellungenihnen Schranken zu setzen. Die Armee des Königs stand in der Gegend von Does-burg, als am 2zsten Junius die Gesandten von Holland bey ihm anlangten, und dasie den Ministern eröffnet hatten, daß sie, des Königs Befehle zu hören, gekommen wa-ren, die Antwort erhielten, daß sie zuerst mit Vollmacht sich versehen müßten, wor-auf einer derselben, Grotius, wieder zurückkehrte, um sie bey den Staaten auszu-wirken. Die Mehrheit der Stimmen entschied für die Vollmacht, mit dem Beding,daß die sieben Provinzen bey ihrem alten Rechte, Freyheit und Religion verblieben;alles andre aber, und was nicht zu dem Bunde derselben gehörte, und beträchtlicheStimmen schienen willig aufgeopfert zu werden. Weil nun in dieser Versammlung derStaaten fast alle Stimmen von Holland, dem Gelderland, Utrecht und Oberysscl muth-los gewesen, Amsterdam, Seeland, Friesland und Gröningen hingegen mehr Ent-schlossenheit bezeugt hatten, dennoch aber billigen Bedingungen entsprochen haben wür-den, so sagt man, daß im Rathe des Königs der Minister, Marquis von Pomponne, Feuquieres.den Vorschlag gethan hätte, billige Bedingungen der Republik zu gestatten, statt dessenaber, weil Spanien den Holländern beträchtlichere Hülfe gesandt hätte, als die, wozusie die Tractaten verbanden, diese Verstärkung als einen Bruch des Friedens von Aakenanzusehen, und bey dem Frieden mit Holland zu bedingen, daß die Republik den spa-nischen Niederlanden die vormals versprochne Hülfe nicht leisten dürfte. Sodann soll-ten die Armeen des Königs auf ihrem Rückmärsche nach Frankreich über die spanischenNiederlande herfallen, deren Eroberung in dem hülflosen, entbldsten Stande, darinsie sich fänden, das Werk von wenig Wochen seyn würde. Und in der That schiendieser Rath auch gegründet zu seyn, weil in den Niederlanden selbst alles schutzlos, undaußerhalb noch keine Macht in Waffen stand, um zeitig genug der Ausführung des Ent-wurfs sich zu widersetzen. In der Folge aber sich zu behaupten, war die Hoffnunggroß, weil durch den Verlust der Niederlande die Länder von Spanien und Oesterreichzu weit von einander getrennt waren, um vereinigt gegen die neuen Eroberungen desKönigs zu unternehmen. Diesem entgegen behauptete Louvois, daß die Bedingungen,so Holland itzt annehmen möchte, nicht demüthigend genug seyn würden, und manmüßte das Werk gegen sie vollenden, wozu nur wenige Zeit noch gehörte. Der Königgab diesem Rathe Beyfall, ob er gleich dem Nutzen seines Reichs entgegen war, und,wie man sagt, keine andre Ursache hatte, als den Wunsch des Ministers, den Krieg,und mit ihm sein Ansehn, ausgebreitet und verlängert zu sehn. Es wurde den Ge-
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