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Feldzüge des Vicomte Türenne ... aus den ächtesten Urkunden / von Friedrich Wilhelm von Zanthier
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300
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Z02

Feldzug vorn Jahr 1672.

Indeß verblieben die Armeen in Deutschland einen ganzen Monat lang unthätig,weil die Schiffe zur Passage der Flüsse den Deutschen fehlten, und die Churfürsten amRhein nicht beredet werden konnten, sie ihnen zzr überlassen. Doch, als nach verschied-ner Wochen Verlust Maynz und Trier sich dazu entschlossen, und endlich die deutscheArmee bey Flersheinr über den Mayn gegangen war, und Anstalten zum Uebergangauch über den Rhein zu machen anfieng, so gieng der Marschall Türeune gleichfalls beyAndernach, wo seine Schiffbrücke war, über; der Marquis von Vaubrun blieb ander Tete der Brücke mit starker Besatzung zurück, und die Armee rückte in das TrierLand bis gegen Witlich und Pruyn vor, jedoch ohne die Mosel zu passiren. DerChurfürst von Trier erbot sich zur Neutralität; weil aber der Marschall ihn wegen seinerUnterhandlungen mit dem wiener Hofe in Verdacht hatte, so wurde ihm dieselbe abge-schlagen und feindlich gegen sein Land agirt, worauf der Churfürst nach Coblenz sichbegab, und bald darauf kaiserliche Besatzung einnahm.

Nachdem nun die Deutschen den Mayn passirt hatten, schlug der Churfürst vonBrandenburg sein Hauptquartier zu Rüsselheim auf, Montecuculi zu Trever, und dieBrücke über den Rhein wurde in der Gegend von Nierstein geworfen, und es schien, alswenn die Armee gesonnen wäre überzugehn. Der Churfürst von Brandenburg wardes Sinnes ganz, aber Montecuculi, der geheime Befehle hatte, widersetzte sich offen,weil, wie er vorgab, die Vereinigung der Armeen des Prinzen von Conde' und desMarschall Türenne in diesem Falle unftssoar wäre, und alsdann die Macht der Deutschennicht hinlänglich seyn würde, beyden zu widerstehen; überdem verbiete ihm die Lage derSachen in Ungarn und die Gefahr eines Krieges mit den Türken, so weit von den Erb-landen des Kaisers sich zu entfernen. Die Brücke von dem Rhein wurde wegge-Den l,-ten nommen und wieder über den Mayn gelegt, der Marsch allgetreten und über Gießer:December, uild den Westerwald nach Westphalen fortgesetzt, wo die Armee zu Ende des Jahrsalllangte, die brandenburgischen Truppen in der Grafschaft Mark, und die kaiserlichenim Stift Paderborn ihr Winterquartier nahmen. Die Truppen von Münster, die,sobald Brandenburg ihnen den Krieg erklärt, und den General Sparn mit einem ander Gränze hinterlassenen Corps feindselig im Münster-sehen agiren lassen, sofort auchihrer Seitö ins Herzogthum Bergen und die Grafschaft Mark eingefallen, und bis Unna undRheda daselbst vorgedrungen, zogen sich nun auf diesen Marsch irr Eil gegen Lüynen zurück;Türenne aber gieng, mit einigen Truppen des Prinzen von Conde' verstärkt, die Moselwieder herab gegen den Rhein, und pafsirte diesen zu Wesek, weil die Brücke von An-dernach durch den Eisgang gelitten, und folgte hierauf den Deutschen nach Westphalen.

Bey-