116 Souveränität.
Rahmen leihet. Mosheim und Jerusalem,Schleier machet und andere ausgezeichnete Theolo-gen des 18ten und 19ten Jahrhunderts würden mitallem ihrem Tiefsinn, in dem seidenen Gewände ihresVertrages vor zweihundert Jahren an keinem Deut-schen Hofe verstanden worden seyn, man hatte ihnenauch geantwortet wie Festus: Paul Du rasest,die große Kunst macht Dich rasend. Wenn manaber mit Ochsen, Schweinen, Flegeln und Eseln vonder Kanzel herabpolterte, so verstand es die ganzeWelt, das heißt, hoch und niedrig; denn dieses lagdamals im Zeitgeiste. Die Nerven, das ganze Ge-fühlsvermögen der Edlen und derjenigen, die sich ihnendurch ihre Stellung in der Gesellschaft gleich setzten,waren anders organisirt; sie tranken aus ganz andernBechern, ritten stärkere Rosse, trugen größereSchwerdter an ihrer Seite; ihr ganzerKörperbau warkräftiger, durch Jagd, Turniere und andere ritter-liche Spiele und Uebungen abgehärtet; und eben sokräftig war auch ihre Seele, ihre ganze Empsindungs-kraft und ihre ganze Sittenlehre. „Es wäre gewiß be-lehrend, sagt ein Schriftsteller, diese wahre oder schein-bare Veränderung, Umtausch und Abwechselung inden Sitten, in guten und schlimmen, durch die Ge-schichte zu verfolgen, und wie man in großen Galle-rten die Folge der Kleidertrachten und Rüstungenzusammenbringen kann,, so würde man dadurch aucheine Geschichte der Fürstenmenschen, chronologisch undgeographisch betrachtet, in die Hände gespielt bekom-men; man würde daraus ersehen, wie die Fürsten mitihrer Zeit und durch die Menschen, mit und unterdenen sie lebten, sich verfeinert, abgeglättet, verdün-nert, verbessert oder verschlimmert haben? wie die ehe-malige Rauhigkeit der Sitten mit der Festigkeit unddem Trotze des Charakters, mit Maaß und Ueber-maaß in Tugenden und Lastern, eben so auch Ton