118 Souveränität.
Antheil an der Verbesserung der Sitten gebührt, sokonnte sie wegen der noch nicht ausgebildeten Sprache,die mit Lateinischen, und späterhin, nach dem dreißig-jährigen Kriege, mit Französischen Wörtern reichlichgespickt oder gemischt war, und wegen der schon er-wähnten Pedanterey der Gelehrten, die sich gleichsamder Welt mit ihrem Wissen in ihrem Studierzimmerverschlossen. nicht wirken. Die Rechte der Herrscherwaren demnach in dieser zwar rohen, aber kräftigenZeit, von Seiten des Volkes gesichert, und alle Hän-del, alle Kriege, welche entstanden, gingen zum Theilvon ihren größer» Vasallen oder Lehnöträgern, odervon ihrer Begierde nach Eroberungen, ihrer Eifersuchtuntereinander, das heißt, Fürsten unter Fürsten, aus,woher sich dann die vielen Kriege entspannen, denen,von der Reformation an, nur zu oft die Religion zumVorwande dienen mußte, die sich überhaupt von jeherzu so vielen unedlen Zwecken hat müssen brauchenlassen, die aber immer durch die unglücklichen Erfolge,wenn sie als Hebel dienen mußte, triumphirend her-vorging. — Ganz anders ist es in neuer und neuesterZeit, bei der steigenden Kultur, bei der sich überallverbreitenden Humanität mit der Souveränität derFürsten geworden; jetzt gilt nicht mehr die rohe Kraftund der Glanz der Throne allein als Herrschaft, son-dern die intellektuelle, die geistige Kraft, und die darausfließende Humanität. Es ist ein Kampf aller Kräfte,um sich zu einem Ganzen zu consolidiren. Körper-und Geisteskraft, weltliches Regiment und geistliches;es ist ein Kämpfen um Licht und Finsterniß, umWahrheit und Täuschung; die Resultate sind, wenngleich nicht mehr zweifelhaft, noch im Hintergründe.Blicken wir zurück in die Geschichte jener derben,kräftigen Zeit, und vergleichen wir sie mit der gegen-wärtigen, so staunen wir ob des Waltens des Zeit-geistes! Eine ganz andere Denk- und Handlungsweise,