Band 
Hundert und sechs und funfzigster Theil, welcher die Artikel Sonntag bis Speckstein enthält.
Seite
122
JPEG-Download
 

122 Souveränität.

lung genießt jeder die Früchte nach seinem Antheile,und ist zufrieden. Der Zeitgeist schadet daher nie derSouveränität, der Herrschaft; er schadet keinen altenInstitutionen im weltlichen und geistlichen Regimente;nur das verkehrte Aufgreifen desselben, das sich ihmEntgegenstemmen, das Hindern und Hemmen seinerVerbesserungen, Veredlungen, erzeugt Verwirrungenund Umwälzungen, so wie überhaupt jeder Zwang, jedeDespotie, jedes Rückschreiten der Würde kultivirtecStaaten schadet; sie erzeugen sich aus der Furcht, woin der Regel nichts zu befürchten ist; sie verderben denedlen, biedern Charakter einer Nation, erzeugen Ver-schmitztheit und alle Feinheiten einer verdeckten Rache;sie vernichten das werthvolle Alte, den Typus der Na-tion, ihre Originalität. Daher hat jene große Vergan-genheit, bei allen ihren Schwächen, ihrer Derbheit, jaGrobheit, ihren gelehrten Pedanten rc. immer nochso viel Anziehendes, weil sie Original und ,durchkeine künstliche Mittel, durch keine Pfropfreiser man-cherlei Art verdorben war. Biederkeit, Offenheit, Be-ständigkeit, ungeheuchelte Frömmigkeit, Gastfreund-schaft und Freiheit der Aeußerungen seiner Ansichtenund Meinungen über alle Angelegenheiten des Lebens,waren der Originaltypus des Deutschen freien Man-nes, der sich auch bis aufdie Erbunterrhanen erstreckte,und letzt bei den Letztem unverkennbar hervorleuchtet.Er hat alle Perioden der Kraft und der Sentimentali-tät eben so gut durchgemacht, als andere Nationen,Deutschland hat seine Ritterzeit, seine Meistersänger,seine Heldenzelt, seine Schäfer und Schäferstündchen,seine geheimen Gesellschaften undOrdenöverbrüderun-gen, seine Rcligionsschwärmereyen, seine gelehrtenNarrheiten, seinen Hanswurst und Eulenspiegel, seineSterndeuter, Räuberrotten, Teufel-, Hexen- und Spuk-perioden, seine Spielwuth, seine Gallo-, Anglo- undGraecomanie, seine Renommistereien und Zierbenge-