176 Spanien.
Sitte r anbetrifft, so möchte man annehmen, daß hiernur rne einzige Nation ist, worüber die Regierunggebie rt, zusammengesetzt aus ehemaligen Jberiern,Cant briern, Phöniciern, Karthagern, Römern,Wes gmheir, Arabern und Juden. Es leben zwar imKönigreiche Zigeuner, allein sie machen nur einen ver-hältnißmäßig geringen Theil aus. Durch dieses Ge-misch von Nationen und daS Klima hat sich denn aucheine eigene Körpergestalt ausgebildet. Der Spanierist nämlich von mittler Statur, etwas mager, aber vongut gebautem, muskulösem Körper. Die Gesichtsfarbeist gelbbraun, jedoch kommt dieses mehr auf dieLage der Provinzen an, ob diese mehr gegen Mittag,oder mehr nördlich liegen, wonach sich auch die Ge-sichtsfarbe abändert. Die Augen sind feurig, dasHaar glänzend schwarz, und der Kopf zwar klein, aberwohlgebildet; hiernach ist auch das weibliche Geschlechtzu beurtheilen, welches auch schöne feurige Augen,eine gelbliche Gesichtsfarbe, schlanken Körper, einezierliche Hand und zierlichen Fuß hat. Der Charak-ter des Spaniers ist von ausgezeichneten Eigenschaften.Sie haben einen hohen Grad von Patriotismus, densie besonders bei der Invasion der Franzosen unterNapoleon bewiesen haben, Zuverläßigkeit an Hal-tung des gegebenen Wortes, Tapferkeit und tiefesEhrgefühl. Der Spanier thut nichts ohne reiflicheIleberlegung, hat er aber erst eine Entschließung ge-faßt, so führt er sie mit Sündhaftigkeit aus, so wieüberhaupt ein Gleichgewicht von Feuer und Kaltblü-tigkeit alle seine Schritte leiten. Dann besitzt derSpanier Edelmuch, Freigebigkeit, Dicnstfcrtigkcitund Geselligkeit, welche Eigenschaften besonders her-vorleuchten, wenn er einmal Jemandes Freund ge-worden ist. Selbst das gemeine Volk, besonders inKastilien, hat die feinsten Empfindungen der Ehreund treibt diese sogar bis zur Ausschweifung. Dieses