Spanien. 177
soll noch die Wirkung von dem Geiste der irrendenRitterschaft seyn, der in diesem Lande herrschte.Diesen guten Eigenschaften treten entgegen Rachsucht,Ilnversöhnlichkeit und hohe Einbildung von eigenenVorzügen, indem es sich zur Arbeit zu vornehm dünkt,und seine Geburt zu hoch stellt; indessen ist dasjenige,was man früher von dem Spanier erzählte: daß dergemeine Mann seinen Stammbaum an den Wändenaufhängt, daß der Bauer den Degen beim Pflugeträgt, und daß jeder geringe Edelmann sich einbildet,von eben so vornehmen Geschlechte zu seyn, als derKönig, nur ein Mährchen. In Hinsicht der einzelnenVölkerschaften, bemerkt man, daßdieKatalsnierdiewirksamsten Menschen zu Handarbeiten, zum Gewerbeund zum Reisen sind. Die ValenzierliebenmehrdieHäuslichkeit und haben einen mehr finstern und argwöh-nischenCharakter. Die Alt - Kastilier sind sehr arbeit-sam, dabei freimüthig, und halten an ihren alten Sitten.Man findet unter ihnen Bauern, die ihren Töchternan 1000 Dublonen als Heirathsgut mitgeben. DieNeu - Kastilier sind großmüthig und standhaft,aber mehr zur Unthätigkeit geneigt. Die Aragoniersind eine Mischung der Alt-Kastilier und Katalonier,doch mehr den Erstem ähnlich. Die BiScajer sindscharfsinnig und fleißig, und Feinde alles Zwanges.Die Galizier sind zu allen Beschwerlichkeiten ab-gehärtet und geben sich alle Mühe etwas zu verdienen,daher werden Tausende von ihnen jährlich in andereGegenden Spaniens, so auch nach Portugal, geschickt,um als Schnitter, Winzer rc. Etwas zu verdienen.Die meisten Spanier gehen noch in ihrer National-tracht, dieses versteht sich besonders von denjenigen,die in den Provinzialstädten und auf dem Lande leben,in der Hauptstadt und in den großen Handelsstädtentragen sie sich auch nach dem allgemeinen EuropäischenKleiderschnitt, wie es die Mode gebietet. Die Natio-Oec. techn. Enc. Theil UVI. M