Spanien. 179
gen Untersuchungsgeist. Diejenigen Bücher, die da-her in Spanien gedruckt worden, haben alle, mehr oderweniger, diesen Geist der Unterdrückung in ihrem Ge-präge ; auch werden in Spanien nach dem Maaßstabeanderer Reiche, in denen Geisteösreiheit herrscht, nurwenig Bücher gedruckt, und vom Auslande kommenbeinahe noch weniger in das Königreich. Es sindzwar in neuerer Zeit einige literarische Journale er-schienen; allein bei den Unruhen im Lande zum Theilauch wieder eingegangen, und besonders nach derVernichtung der Constitution imJahre 1823; und daüberhaupt, wie bekannt, in Ruhe und Frieden nur dieWissenschaften und Künste gedeihen, so wird Spanienbei den gegenwärtigen Spaltungen im Innern wohlnoch eine Weile auf einen literarischen Markt, einenausgedehnten Buchhandel verzichten müssen. Betrach-tet man nun die Gelehrsamkeit nach diesem Prospecms,so wird man sich nicht wundern, daß sich die Philoso-phie, die Theologie, das kritische Studium der Bibel,dieKirchengeschichte und das kanonische Recht nie mitErfolg haben empor arbeiten können, und daß die Kö-nigliche Akademie der heiligen Kanons, der Liturgie,Kirchengeschäfte und kirchlichen Disciplin rc. noch keinegroße Reformation bewirken konnte. Physik und Che-mie blühen in Spanien erst auf; dagegen zeichnendie Spanier sich in den Fächern der Naturgeschichte,besonders in der Botanik, dann in der Arzneikundeund Chirurgie, in der Mathematik, in der theoretischenund praktischen Rechtsgelehrsamkeit, der Philologie,in Rücksicht auf die Muttersprache, und in der Bered-samkeit und Poesie, vorzüglich in Letzterer, aus; auchin der Profan-, besonders der vaterländischen Geschichte,haben sie sich ausgezeichnet. Zu ihrer Kunde in derNaturgeschichte trug besonders die Entdeckung Ameri-kas, ihre Kolonisirung daselbst, und zur Mathematikihre ausgebreitete Schifffahrt bei. Zur Hebung der