178 Spanien.
naltracht besteht in einem schwarzen Rocke, braunemMantel, rundem Hute und langem Degen, wie in denälteren Zeiten. Die große Liebe zum Tanze, die derSpanier besitzt, und worin ihm seine natürliche Ernst-haftigkeit nicht im Wege ist, wie man es so oft vonder Spanischen Grandezza glaubt, und dann der über-mäßige Genuß hitziger Getränke und Gewürze, so wieüberhaupt aller gewürzten Sachen, bringen hin undwieder seine Gesundheit in Gefahr.
Was die Erziehung und Bildung zu denWissenschaften und Künsten betrifft, so lag dieerste Bildung der Jugend ehemals ganz in den Han-den der Geistlichkeit. Die erste Schulbildung erlangteder Knabe größtenteils in den Klöstern, es konnte da-her nicht fehlen, daß sich hier manche Vorurtheile undmancher Aberglaube mit einschlich, und in das reifereAlter übertragen wurde, und so pflanzten sie sich auchvon dem Vater wieder in der häuslichen Erziehungauf die Kinder fort; und wenn es hier gleich auchnur auf die Glückseligkeit ankommt, die eben sowohlbeim Aberglauben und einer mehr finstern Erziehungerlangt werden kann, als bei einer aufgeklarten; sobringe jene doch in das Geschästsleben manche schiefeAnsicht und manches unrichtige Urtheil. Unter denöffentlichen Anstalten ist besonders das adeliche Erzie-hungScollegium zu Vergara in Guipuzcoa die vorzüg-lichste. Der gelehrte Unterricht, der auf der Königli-chen Ritterakademie zu Madrid, auf mehreren akade-mischen Gymnasien, wovon die meisten für junge Leutevon Stande bestimmt sind, und auf 24 Universitätenertheilt wird, ist zwar in manchen Stücken in neuererZeit verbessert worden; allein durch den starken Einflußder Geistlichkeit sehr beschränkt. Dieser und der Druckder Büchercensur hemmten bisher die Preß- und Lesefrei-heit, und unterdrückten dadurch jeden zur fruchtbaren Er-weiterung des gelehrten Wissens unumgänglich nöthi-