Band 
Hundert und sechs und funfzigster Theil, welcher die Artikel Sonntag bis Speckstein enthält.
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Spanische Lebensart. 245

Preis gaben, um aus der Hand ihrer Gebieterin, denLohn für ihre Thaten zu empfangen, oder mit der edelausgeführten That sich auch die Hand der Geliebtenzu erwerben; und wenn auch die jüngere Zeit, dieneueren Einrichtungen der Staaten, den ehemaligenritterlichen Thaten entgegen, und auch dergleichenGelegenheiten, sich auf eigene Kosten hervorzuthun,verschwunden sind, so blieben doch noch bei einer Na-tion, die sich in ihrer Urkrast treu und Original geblie-ben, wie man dieses noch bei den Spaniern in mehre-ren Provinzen findet, so viele Züge, so viele Merk-male jener Tugenden einer religiös-schwärmerischen,auf das Ehrgefühl und die Tapferkeit sich gründendenZeit übrig, wie dieses ihre Religiosität, ihre Galante-rie, ihre Spiele oder Belustigungen, kurz, ihre ganzeLebensart, ihr ganzes Wesen zeigt. Schon ihre Tracht,ihre ganze Haltung des Körpers zeigt etwas Edles.So giebt dem Spanier der große über die linke Schul-ter geschlagene Mantel etwas ganz Eigenthümliches,welches sich wohl sehen, aber nicht beschreiben läßt.In diesem Mantel bewegt er sich sehr gewandt undleicht, so daß man von der Unbehülflichkeit, die diesesKleidungsstück zu geben pflegt, nichts an ihnen be-merkt. Beim Fechten wissen sie sich desselben sehr ge-schickt als eines Vertheidigungsmittels zu bedienen;eben so hat auch ihr Gang eine gewisse stolze Würde.Sehr charakteristisch ist die Haltung und der Gangder Spanischen Damen, in welchen sich eine stolzeWürde ausdrückt. Sie tragen ihren Körper sehr ge-rade, und zwar so, daß der Rücken etwas zurück unddie Brust vortritt. Den Kopf halten sie in die Höhe,doch ohne allen Zwang und Ziererey, vielmehr ist dieNatürlichkeit ihres AnstandeS, ihres ganzen Beneh-mens so wahr und einfach, wie wir es bei uns inDeutschland weniger sehen, wo das Naive im Redenund Thun nur zu oft wohl berechnet, und den Spie-