Band 
Hundert und sechs und funfzigster Theil, welcher die Artikel Sonntag bis Speckstein enthält.
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246 Spanische Lebensart.

gel verrath, vor dem es gelernt oder studirt worden;es ist keine Deutsche Unbefangenheit und Liebenswür-digkeit, sondern nur ein Französischer Anstrich, eineToilettengaloppade. — Alles ist in Spanienauf die Devotion oder Frömmigkeit und die Galanterieberechnet, welche besonders in Madrid ins Unendlichevariiren; denn alle religiösen Feste, Ceremonien oderFeierlichkeiten rc. werden hier als eine Art Zeitvertreibangesehen, und man geht in die Messe, in die Vesperrc., wie in Paris auf die Boulevards. Es vergehtkeine Woche, wo nicht ein solches Fest einfiele, wobeiman sich angenehm zerstreut. Hier ist nun die Galan-terie, die Artigkeit im Benehmen Hauptsache, weil dieFrauen hier bloß leben, um zu beten und um zu lie-ben; denn alle geistliche und alle weltliche Parthienwerden nur durch Intriguen interessant, dagegen feh-len ihnen alle andere Vergnügungen; denn außer demSchauspiele, der Promenade, dem Stiergefechte undden Tertuliaö (gewisse Abendgesellschaften) kennen siekeine Belustigungsörter, wie z.B. in London, Paris,Wien, Berlin, Petersburg rc., welche ihre Kaffeegär-ten, Treibhäuser, Ressourcen, Pickenicks, Bälle, Kon-zerte und viele andere öffentliche Belustigungen ha-ben. Hier in Spanien ist Alles nur auf die oben an-geführten Vergnügungen beschränkt, und wenn auchdie neueste Zeit, besonders der kurze Einfluß der Fran-zosen auf Spanien unter Napoleon, hierin Man-ches geändert hat, so ist doch immer noch die frühereLebensart vorherrschend, und die Galanterie hak sichin nichts geändert; man dient noch immer seinerSchönen auf den Knien, und seht sich dann zu ihre»Füßen auf die Matten nieder, so daß man bei einemFeste, wo Bälle rc. Statt finden, sich in Arkadien ver-seht glaubt.

Zur Galanterie der Damen gehört besonders derFächer (udmiivo), dessen eigentlicher Zweck sich abzu-