Spanisches Stiergefecht. 271
gewahrt und die Zuschauer ermüdet hat, so wird einneuer Stier verlangt. Stolz und gravitätisch tritt nunderMatador in denCircuö und grüßt dieZuschauer.Sein seidener Mantel flattert in die Lüste, und seinblankes Schwerdt glänzt in der Sonne. Er nähertsich, und der Stier scheint seinen gefährlichsten Feindin ihm zuerkennen, und beide bleiben einander gegenüberstehen. Alle Zuschauer sind gespannt, im ganzen Am-phitheater herrscht eine Todcenstille, denn Alles harrtmit Ungeduld und Bangigkeit auf den Ausgang. Indem Augenblicke macht der Stier eine Bewegung undder Matador hält seinen Mantel empor. Ein Augen-blick, und der Stoß ist geschehen, der Stier stürzt brül-lend zu seinen Füßen nieder. Jetzt belohnt den Mata-dor dasselbe Lxelsteut«! Lxeestmito! Vivu! Vivu!Lien! Lieu! Das ganze Colossäum ertönt von Ju-belgeschrei, Händeklatschen und Fächerschlagen, Trom-peten und Pauken. Es ist ein unbeschreibliches Ge-tümmel, wie auch schon oben, S.269, angeführt wor-den. Die Liebhaber, oder vielmehr die Enthusiasten,Eraltirten, steigen in den Circus hinab, um den Stierzu untersuchen, seine Wunden zu sehen und zu messen.Man streitet, zählt die Schritte ab und überhäuft denMatador mit Lobsprüchen. — Alle Wasser und Li-monadenverkäufer, alle Orangen- und Confitürenmäd-chen eilen über den Cirus hin. Alles ist in Bewe-gung, Alles besucht sich in den Logen; alle Schnupf-tücher wehen und die ganze Versammlung nimmt dieMerienda (Vesperbrod) ein. — Jetzt wird das Thorwieder geöffnet und drei mit Schellen und fliegendenBändern behangene Maulesel kommen in vollem Ga-loppe herein. Der Stier wird fortgeschleift, die Arenageebnet, jeder eilt auf seinen Platz zurück. Trompetenund Pauken verkündigen die Ankunft des zweitenStiers, und so wiederholt sich das Schauspiel, nurmit einigen Veränderungen. Ist der Stier zum Bei-