Spannkraft. 299
ßere Kraft anwenden einen dürren Stab zu beugen,als einen frischen, und dieser ist doch elastischer. Hier-aus folgt, daß ein größerer Grad der Elasticität bloßin dem größeren Vermögen besteht, die vorige Gestaltwieder herzustellen. Wenn man nun einen Körperhatte, der seine vorige Gestalt nach der Spannungoder Ausdehnung ohne allen Mangel wieder anneh-men könnte', er möchte auch noch so stark und solange gebogen, zusammengedrückt oder ausgedehnt ge-wesen seyn, so würde dieses ein vollkommen elasti-scherKörper seyn; wie auch schon oben, S. 293, an-geführt worden; ein solcher ist aber nicht vorhanden,man müßte denn der Lust diese Eigenschaft zuschreiben.Daö elastische Harz hat eine außerordentliche Dehn-barkeit oder Spannkraft. Achard hat einen Streif, der12 Linien lang, 54 Linien breit und 4 Linien dick war,durch eine Kraft von 7 Pfunden bis auf 3?4 Linienausdehnen und erst durch ein Gewicht von 6 Pfundenzerreißen können. — Wenn man auf die Erscheinun-gen bei stark elastischen Körpern Acht giebt, so findetman, daß die Kraft, die der Körper anwendet, sich inseinen vorigen Zustand zu sehen, ganz derKrafc gleichist, welche man zum Ausdehnen, Zusammendrückenoder Beugen gebraucht hat; ferner bemerkt man, daßdie Kraft der elastischen Körper in allen ihren Theilengleich stark ist, wenn diese Theile alle von einerlei Artuud Beschaffenheit sind. Beides gewahrt man genaubeim Zusammenpressen der Lust; auch bei guten Stahl-federn und dem elastischen Harze; wenn aber eineStahlfeder nicht überall gleich gut gehärtet ist, so falltdas Letztere weg. Beim Ausdehnen der hierher gehö-rigen Körper braucht man anfangs immer die geringsteGewalt, und in der Folge immer mehr und mehr;hieraus folgt, daß der Widerstand, den die Körper äu-ßern, von Anfang am schwächsten ist und nachher im-mer zunimmt, je mehr sie ausgedehnt werden; dasselbe