Sparkunst. 419
genannt, weil es Kummer verursacht, woher wir dasNöthige zu unserem Unterhalte nehmen wollen. Hkermuß nun wieder der Stand berücksichtiget werden.Ein Tagelöhner kann auf dem Lande mit 80 Rthlrn.seiner Art nach gut leben und reichlich auskommen,dagegen ein Staatsbeamter in der Stadt miteinerzahl-reichen Familie mit 600 Rthlrn. schon kümmerlich lebenmuß. Das kümmerliche Leben ist aber kein Grund derUn-zufriedenheit; denn der eben erwähnte Tagelöhner wirdmit seinem Einkommen bei einer zahlreichen Familie,ohne Bouillon, Gemüse und Braten, und andere mehrkünstliche Gerichte, die seinen Gaumen auch wohlreizen können, bei Wassersuppe, schwarzem Brode,Kartoffeln rc. eben so vergnügt seyn, als der Wohlha-bende und Reiche bei seinen Leckereien, und auch wohl,bei kluger Vorsicht und ordentlicher Wirthschaft, nochetwas ersparen; er kennt die feinen Genüsse nicht; erund seine Familie kleiden sich in Linnen, kurz, so wiees ihr Stand mit sich bringt, und daher schwindet dasVerlangen nach andern vermeinten Glücksgütern zustreben. Hieraus fließt also die Regel, daß derjenige,der in eine kümmerliche Lage gerath, dieses nicht fürein Unglück ansehen darf, wenn ihm hier und da andem Nöthigen etwas abgehen sollte, da Andere seinesStandes neben ihm im Ueberfluß leben; er wird mitder Kunst sich zu beschränken, auch die Kunst zu spa-ren lernen. Wenn Jemand nur so viel hat, daß erseine nothwendigsten Bedürfnisse befriedigen kann,aber sich dennoch hier und da Vieles entziehen muß,was Andere seines Standes genießen, so lebt er kärg-lich. Dieses Leben, welches man auch Frugalitätnennt, will man als den Hebel zum Geize ansehen, dasich Geizige gewöhnlich mit der Kargheit zu rechtferti-gen pflegen, oder eine Entschuldigung darin gegen ih-ren Geiz suchen. Indessen muß man hier auf das Ur-theil der Menge kein Gewicht legen; denn von jeher
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