Sparkunft. 421
und seiner Familie mäßigem Genusse und Vergnügenbraucht, der lebt sparsam, welches der Grund derSparkunst ist; denn Iver erst dahin gelangt ist, seinenganzen Hausstand so einzurichten, daß er, ohne ängst-lich erst zu rechnen und zu überrechnen, Bedarf undVergnügen weise abzuwägen versteht, so daß die Ein-nahme immer im Ueberschuß gegen die Ausgabe bleibt,und er zurücklegen kann, der hat den Schlüssel zur Spar-kunst gefunden, zu der großen Kunst zu sparen, ohnekarg zu leben, und sich die wahren Freuden des Lebenszu versagen. — Herr von Münchhausen*), die-ser kluge und erfahrene Hauöhalter, dessen einsichts-volle Schriften die würdigste Anerkennung gefundenhaben, mag hier über die Sparkunst, Sparsamkeit,sprechen. Er sagt in der achten Abtheilung des untenin der Note angeführten Theiles des Hausvaters, mitder Ueberfchrift: „die Ausgaben des Hausva-ters", S. 296 u. f. Folgendes:
Die Sparsamkeit ist dasjenige, dessen wir unsam mehrsten befleißigen sollen; wer sie recht versteht,kann mit Wenigem weit reichen. Es wird dazu erfor-dert: 1) daß wir genau wissen, wie viel und was injedem Falle erfordert werde; 2) daß man überlege, wieund wozu dasjenige, was man hat, am besten ver-wandt werde, und daß man 3) darauf achte, daß injedem Falle das Dienlichste und nicht mehr als nöthigangewendet werde, wobei 4) der Hauswirth oder dieHauswirthin selbst die Aufsicht führen, und sie nichtihren Bedienten überlassen muß, oder sie sich nicht aufihre Bediente verlassen soll. Wenn z. B. in einemgroßen vornehmen Hause die Hausfrau in ihrer Wirth-schaft zwölf, theils Kammer- und Garderobenjungfern,theils Näh-, Kinder- und Hausmädchen unter ihrerAufsicht hat, so weiß eine sparsame Hausfrau genau,
') Der Hausvater, Tb- 4, Hannover, l?6s.