422 Sparkunft.
was für Arbeit sie von einer jeden am Tage fordernsoll. Sie hat die Gefchicklichkeit einer jeden geprüft,sie weiß, welche sie zum Nähen, zum Waschen, zumSpinnen, zur Aufsicht im Haufe, zur Küche rc. ge-brauchen kann; sie theilt daher einer jeden nach ihrenFähigkeiten diejenige Arbeit zu, welche sie mit dermehrsten Fertigkeit verrichten kann. Sie sammelt füreine jede Arbeit in Vorrath, damit sie sich nicht langebesinnen dürfe und dadurch Zeit verloren gehe. Sieberechnet im Voraus, wie viele Stück Garn ihreMägde im Winter über spinnen können; sie nimmtbei Zeiten auf den dazu erforderlichen Flachs Rück-sicht, sieht darnach, daß solcher mit gehörigem Fleißezubereitet worden, sortirt ihn nach der unterschiedenenFeine und Güte, und weiß, welcher Magd sie den al-lecfeinsten, welcher den feinen, welcher den gröbstenund welcher die zurückgebliebenen Hede oder Werk zu-theilen soll, um aus iedem das beste Garn zu erhalten;sie sorgt zugleich, wenn die Mägde in ihrem Dienstenicht zureichen sollten, welche Sorte von Flachs siemit dem mehrsten Vortheile außer dem Hause spinnenlassen soll, und weiß das gesponnene Garn wieder sorg-fältig einzutheilen, die eine Magd spinnt loseres, dieandere mehr gedrehetes Garn; indem das eine sich bes-ser zu Drell, das andere besser zu Linnen schickt; sielegt daher gleich besonders, was vortheilhaster zumAufzuge oder Einschlage angewendet werden kann.Sie weiß genau, wie viel Stück von jeder Sorte Garnein Leinweber zu 20 Ellen oder zu einer Stiege Lin-nen gebraucht, und wie viel Macherlohn sie dafür be-zahlen muß; sie weiß genau, was für eine Art von Lei-nenzeug in der Haushaltung am mehrsten dem Abgängeunterworfen, oder woran ein Mangel sey, um solchesvorzüglich machen zu lassen; sie kennt den Vorrathvon Linnen und Drell, und weiß zu welchem Stückesie bei jedem Vorfalle greifen soll, um nicht etwa ein