Band 
Hundert und sechs und funfzigster Theil, welcher die Artikel Sonntag bis Speckstein enthält.
Seite
454
JPEG-Download
 

454 Sparsamkeit.

im innern Haushalte versäumt, wo immer nur auf dieBewirthung der Gaste gedacht werden muß, sey esauch nur mit Thee oder Kaffee. Bei solchen oftschalen, geistlosen Gesellschaften verlieren die Zeitver-treibe ihre Natur und Absicht, wonach sie seltene Er-holungen von schweren Arbeiten seyn sollten, wennsie in die Stelle der täglichen Arbeiten treten. DieOrdnung der Natur wird umgekehrt, wenn ein gan-zes menschliches Leben ein bloßer Zeitvertreib wird,und der Hunger und Durst darnach in keiner Stundenachläßt. Das Resultat ist immer die tätlichste Lan-geweile. Wahrlich, dergleichen Vergnügungen wie-gen wohl nicht die schönen Künste und Wissenschaf-ten auf, wohl nicht die angenehmen Künste und diebelehrenden, vergnügenden und belustigenden Bücherund Schriften, wohl nicht die unzähligen Mittel, unsangenehme Arbeiten zu machen, und uns angenehmzu beschäftigen, und der Ermüdung durch die Ab-wechselung mit andern Arbeiten zuvor zu kommen.

Die die Frugalitat, die Sparsamkeit liebenden Rö-mer suchten nur durch Verdienste, und durch Ver-dienste ums Vaterland groß zu werden, und die Be-zwinger der Welt waren in ihrem Hause klein, jakleiner, als in unsern Städten mancher Bezwingerdes sich auflehnenden Lehrlings. Wir suchen jetzt inPracht und Aufwand eine Größe. Der Stolz unse-rer Zeit ist ausschweifend, und verkennt Alles, waseinmal die Gewohnheit geheiliget hat. Der Reichthumsoll uns empor heben, soll uns Glanz verschaffen.Er ist Mittel dazu, allein es gehört auch dazu nochmehr, um sich im Glänze der Welt auch zu behaup-ten. Dieses vergessen die Meisten, und werden da--durch in vielen Scenen, die sie dem Publikum durchihren Reichthum geben, lächerlich. — Ist Reichthumeine Ehre? Ist er gewissen Ständen eigen? Kanner nicht ohne alle Verdienste, oft mit beflecktem Ge-wissen, erlangt werden*)? Wohl erworbener Reichthumist ein Glück, und selbst ein großes Glück. Er kann

') Der Reichthum, der durch Fleiß, durch Betriebsamkeit er-worben wird, kann in gewisser Hinsicht immer als ein Ver-dienst betrachtet werden, nicht wegen des erworbenen Reich-thums selbst, wohl aber wegen des Aufwandes an Kräften