Sparsamkeit. 453
dennoch behauptet, daß sie unnatürliche Bedürfnissevoraussetzen, und ein schädliches Gift sind, so sieheman bloß theils auf ihre Art, theils auf ihren Miß-brauch. Unsere sparsame und frugale Vorwelt spielteauch; allein ihre Spiele waren edel, unschuldig undnützlich. Sie bestanden in Leibesübungen, welche denmenschlichen Körper vollkommener, harter, geschwin-der machen konnten, in Dingen, welche den Geistschärften, und die Neigungen von, Müßiggänge, vonWeichlichkeit abziehen, und zum Muth, zur Arbeitsam-keit, zur Tapferkeit anfeuern konnten. Die Turniere,die Ritterspicle, die Wettläufc, die Kampfe, das Rin-gen, das Jagen und Verfolgen wilder Thiere, dasSchachspiel rc. gehören unter diese edle Arsen der Spieleund Zeitvertreibe. Man betrachte dagegen unsereKarten- und Würfel-, sogenannte Hazardspiele, dabeies bloß darauf ankommt, den Mitbrudcr armer undsich selbst reicher zu machen, wobei den Gewinn nichtdas geringste Verdienst krönt, weil er auf einem blo-ßen Gläcksfalle beruhet, der dem Dümmsten so leicht,als dem Klügsten sich zuneiget, dabei nicht edle Ge-sinnungen vorausgesetzt werden; denn es ist unedel,sich über den Schaden des Nächsten zu freuen, unddas zu wünschen, was jenem schmerzlich und nach-teilig ist. Man erwäge nur, wie erbärmlich allesolche Spiele sind, indem dabei Alles aufs Geld,nichts auf Ehre, Ruhm und wahre Vergnügung an-kommt; wie wird man dabei wohl einen Helden, ei-nen Patrioten, einen Menschenfreund erkennen, wennman in einer sonst angesehenen Gesellschaft einen Je-den um die Dukaten des Andern würfeln sieht, undbei einem Jeden den lebhaften Eifer wahrnimmt, den-Andern brodlos, ja oft ehrlos und unglücklich zumachen? daß Hazardspiele oft diese, ja allemal solcheFolge haben, welche die Ordnung des Hauswesensstören, darf hier nicht erst bewiesen werden. Wasdie Zeitvertreibe, besonders in den Städten, anbe-trifft, so sind diese der Natur und Sparsamkeit nichtgemäßer; denn wer täglich in Gesellschaften gehen,oder solche bei sich sehen will, muß einen bedeutendenAufwand in Kleidung und Möbeln machen, und stetsim Geschmacke der Zeit bleiben, und was wird dadurch
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