500 Spaßmacher.
trübt, erwiederte der lustige Rath, daß es jeßt imLande so verwirrt hergeht. Wie so? fragte der Königweiter. Lies nur die schöne Vorstellung, fuhr derHofnarr fort, indem er die Bittschrift des Müllersvorlegte. Der König, der sich damit nicht beschäf-tigen wollte, gab sie einem Minister, und verlangte,daß er sie gelegentlich durchlesen sollte. Ehe diesesaber geschehen konnte, nahm sie ihm der Narr schnellaus den Handen, und sagte: „Lieber König, wennDu solche Sachen nicht selbst ansehen und sie DeinenPerrückenstöcken übergeben willst, so wird dem armenManne gewiß nun und nimmermehr geholfen werden.Ich willDir aber die Mühe dieses durchzulesen ersparen.Hierauf erzählte er ihm den ganzen Vorfall zur großenErbauung des anwesenden und angeklagten Mini-sters, den der König mit Unwillen ansähe, und dermit vieler Demühigung, indem er betheuerte, daßihm diese Umstände nie so bekannt geworden wären,versprach, daß dem Müller schleunigst geholfen wer-den sollte, welches denn auch zu dessen größter Freudebald darauf geschehen.
Der schon oben erwähnte Pußmann soll Fri e-brich dem Ersten manche Wahrheit gesagt unddeshalb auch ein Prediger desselben genannt wordenseyn. — Daß auch die Geistlichen in damaliger Zeit,wie schon oben erwähnt worden, sich kräftig gegenalle Mißbräuche äußerten und Wahrheiten von derKanzel verkündigten, ohne auf die Personen Rücksichtzu nehmen, ist schon oben unter Souveränität,S. 89 u. f., gezeigt worden. Hier noch ein Beispiel.Als die Frau von Kosel, Maitresse FriedrichAugust's, Königs von Polen, mit einer fast unum-schränkten Herrschaft während der Abwesenheit desKönigs inDreöden regirte, und sich Alles, bis auf denPrinzen vonFürstenberg und den FeldmarschallGrafen von Flemmig, vor ihr beugte, wagte eö ein Lu-therischer Prediger von der Kanzel herab gegen sie auf-zutreten, sie mit der Bethsabe zu vergleichen, und