Spaziergang. 599
Charakter des Traurigen annimmt, in eine einsameund melancholische Parthie, bis man endlich zu einemDenkmal des Schmerzes kommt, das eine unglücklicheBegebenheit solcher Personen vereiniget, die ausreiner Liebe und Anhänglichkeit zu ihrem Vaterlandesich zum Besten und Wohl desselben aufopferten.Auch könnte hier dem Andenken eines großen Mi-nisters, Staatsmannes ein Denkmal errichtet werden,der das Wohl des Vaterlandes in derZeit seines Wir-kens nie aus den Augen verloren. Weiterhin gelangtman aber nach und nach zu einer Furcht und Grau-sen erregenden, dunkeln und rauhen Gegend, wo sicheine Schandsäule befindet, welche die Namen Derertragen soll, die sich des Verbrechens der Staatsver-rätherei rc. schuldig gemacht haben. Noch eine Weilebehält dieser Weg den Charakter des Wilden, undgeht dann wieder in den Charakter des Ernstes über.Nach und nach wird die Gegend wieder angenehmund reizend, und nun gelangt man zu dem Tempel desFriedens. Dieser hat eine sehr angenehme, Fröhlich-keit und Heiterkeit verkündigende Lage. Zur Rechtenhat man durch die geschmackvollsten Parthien des Gar-tens den herrlichen Anblick der Stadt Wien, und zurLinken ein anmuthiges Lustgehölze. Gerade vor sicherblickt man einen sehr geräumigen Teich, und in derMitte erblickt man das Elysium. Fährt man auf ei-nem Schiffchen zu dieser angenehmen Insel hinüber,so wird man auf verschiedenen Pfaden, die Mit schö-nen Bäumen und Gesträuchen umgeben sind, zu ei-nem runden Tempel geführt, in welchem die Büstengroßer, um das Vaterland verdienter Männer mit zweck-mäßigen Aufschriften in besonderen Nischen aufgestelltwerden. Entfernt man sich wieder von diesem anmu-thigen und freundlichen Ort, der, weil er durch stillesGewässer von allen Parthien deö Gartens getrennt'st, fich zu der erwähnten Absicht schickt, und von ter