Band 
Hundert und sechs und funfzigster Theil, welcher die Artikel Sonntag bis Speckstein enthält.
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Spaziergang. 609

an, so, daß die Kirchhöfe jetzt als wirkliche GotteSäckerprangen, und das Düstere, Grauenvolle verlieren, wassie ehemals hatten, und dadurch die Menschen ausihrer Nahe entfernten; sie werden jetzt von Vornehmenund Geringen, Reichen und Armen, deren Angehört«gen dort schlafen, besucht; nicht allein um den Hinge-schiedenen die Stunden der Erholung, sondern auchum sich religiösen Betrachtungen auf den mit sinniggewählten Blumen und Inschriften geschmücktenGräbern zu weihen, wie jenem Wandrer auf dem Pe-tersberge bei Halle an der Saale, die Inschrift einesGrabmals auf einem Gottesacker: „Fremdling!der du herauf gekommen bist, die schöneNatur zu schauen, erwache über den Grä-bern aus deinem Schlummer, und erhebedich zu dem Gedanken der Unsterblichkeit,"eine neue Stärkung gab, seine Fußwanderung durchThüringen bis zum Rheine unter den Betrachtungen derAllmacht des Schöpfers in den Werken der Naturangenehm zu enden. Auch die Griechen hatten ihreFriedhöfe, wenn man sie bei ihnen so nennen darf, anden Landstraßen und Spaziergängen, auf Höhen w.Ueberall begegneten dem Wandrer die Male derer, diesich ehedem an diesen Stellen auch des Lebens freue-ten. Die ganze Flur umher war ein den Elysiumsbe-wohnern geweihter Tempel, zu dessen Altären andäch-tige Wandrer wallten und die Mahnen ihrer Liebenopfernd anflehten. In Berlin sind der HallischeKirchh'of, vor dem Thore gleiches Namens, unddann der Georgen-Kirchhof, zwei GotteSäcker,welche die herrlichsten Spaziergänge enthalten, undmit den schönsten Bäumen, Gesträuchen, Blumen,Denkmälern rc. rc. geschmückt sind; sie werdenauch sehr häufig von den Einwohnern besucht. InParis ist der Gottesacker des Pater Is kllmise fürviele Einwohner ein Erholungsort, und in Pisa zieht<vec. techn. Enc. Theil dVI. Qg