Staatsverbrechen. 479
Verrichtungen wieder anzufangen; eS bewog seine Ad-vokaten alle Prozesse liegen zu lassen, und der Hofnöthigte sie, sie wieder anzufangen; die Abschlagungder Sakramente an den Priester le Moire gab derStreitigkeit neue Nahrung. Die Erbitterung derGeistlichkeit und des Parlaments stieg auf den hoch-sie» Grad, und gab Gelegenheit zu den ärgsten Ver-höhnungen der Religion. Ein Priester zu Langres,der zwei Jansenisten das Abendmahl reichte, that esmit den Worten: „Ich gebe Euch das gesegneteBrod, wie Christus es dem Judas gab." Ein andererGeistlicher zu Plestis-Rosenvilliers, sagte einigen Parla-mentsgliedern in seiner Kirche: „sie waren Jansenisten,Hugenotten und Calvinisten, und erwürbe mit Freudender Erste seyn, der seine Hand in ihr Blut tauchte."Hier hörte nun abermals das Parlament auf, seineFunktionen zu verwalten, und der König exilirte imMai des Jahres 1753 den größten Theil seiner Mit-glieder in verschiedene Gegenden des Reichs, und diesogenannte große Kammer nach Pontoise, und errich-tete dagegen ein höchstes Justizgericht unter dem Na-men der Vacanz-Kammer, das nachher in die König-liche Kammer umgeschaffen wurde; allein Niemandwandte sich an dieselbe, sie blieb unbeachtet. Auch dasKriminalgericht (Chakelet) wurde in das Schicksal desParlaments verwickelt und exilirt; allein die Stand-haftigkeic dieses Gerichtshofes siegte. Der Könignahm im August 1754 bei der Geburt des HerzogsvonBerry Gelegenheit das Parlament aus seinerVerbannung zurückzurufen; denn der erste PräsidentMaupeon hatte Gelegenheit gehabt, dem Monarchendie Augen über das Verfahren des Erzbischofs zu öff-nen, und als derselbe verschiedenen zur Endigung desZwistes dienenden Befehlen des Königs den Gehorsamversagte, so wurde er in dem angeführten Jahre exilirk.Dieses änderte sich jedoch sehr bald; denn der allge-