192 Staatsverwaltung.
Sowohl die Minister, als Präsidenten sollten sichaußerhalb der Departements mit den Räthen gehörigbekannt machen, um ihre Stärke und Schwäche,DenkungSart rc. genauer kennen zu lernen, sie zu be-lehren und ermähnen, aufzumuntern, und einen edlenWetteifer unter sie zu bringen suchen, um auf diesemWege das zu erhalten, was kein Befehl eines Mo-narchen jemals ganz erreichen werde. Aus einemsolchen Verfahren erwüchse dann dem Staate ein we.sentlicher Nutzen, indem durch dergleichen freundschaft-liche Unterredungen gewisse alte Vorurtheile undSchlendriane am besten auszurotten seyen, und miteinem Worte: ein festes System in die Mitte einesjeden Geschäftskreises gebracht werden könne. —„Nichts war früher in Souverain-MonarchischenStaaten gewöhnlicher, sagt ein Schriftsteller, als dasUmschwärmen des Hofs, um eine sogenannte Hof-parthei zu bilden. Verließ sich nun der Fürst aufseine Umgebung, schenkte er derselben sein ganzes Ver,trauen, so wurde diese Parthei, wenn sie nicht aus red-lichen Hofleuten und Beamten bestand, die anmaßend-herrschende, die Alles zurückdrängte, was nicht zu ih.rem Anhange gehörte. Sie belagerte die Minister;sie häufte alle Gnaden, alle Pensionen, alle Beneficiennur auf sich; sie warf ihren Usurpationöblick auf alleSkaatSämter, die ein reichliches Einkommen gewähr-ten, besonders auf die Justiz - und Finanzstellen, wiedieses in Frankreich vor der Revolution der Fall war.Entdeckte sie eine beträchtliche Einnahme, oder konntesie einen neuen Verwaltungszweig erfinden, an wel-chen sich eine Menge von Bedienungen knüpfen ließen,so gelang es ihr bald, dessen Einführung zu bezwecken,und die Bedienungen nur als Geldquellen zu betrach.ten, die man geöffnet habe, nicht um Verrichtungen,welche Talent erfordern, zu besolden, sondern bloß umihren Anhängern ein anständiges Auskommen zu