Staatsverwaltung. 201
Staaten. Seine Staatsverwaltung war deshalb sogroß, so folgereich, weil seine Geistesfähigkeiten Ineiner beständig höher steigenden Entwickelung fortschrit-ten, well er der Staatsmaschine alle große Bewegun-gen selbst ertheilte, und weil er und der Staat ineiner und eben derselben Person vereiniget waren.Alle Bemühungen des unsterblichen Fürsten zwecktenauf eine kraftvolle Nationaleristenz hin, und sein phi-losophischer Geist vereinte den höchsten Grad bürger-licher Freiheil mit dem höchsten Grade gesetzmäßi-ger Gewalt. Friedrich kannte die Gefahren deS ho-hen Ranges, er wußte, daß die im Gewände der Tu-gend verhüllte List, der Wahrheit den Eintritt in denPallast der Könige verwehre, daß ihn oft nur einedünne Scheidewand von der Wahrheit trenne, und erdie klagende Stimme der Unschuld doch nicht höre.Er wußte, daß die, fremden Armen anvertraute Macht,oft zu schnell, oft zu langsam wirkt; daß die bestenEntwürfe nie so in Erfüllung gehen, wie sie in Erfül-lung gehen könnten; daß den Königen die Verhältnisseder Dinge nie so dargestellt werden, wie sie solche miteigenen Augen gesehen haben würden. Der Werthlobenswürdiger Handlungen wird zu hoch angeschlagen;tausend Rücksichten verschleiern eine radelnswürdige,selbst lasterhafte That, — So weiden alle Könige undalle Fürsten das Spiel der Untreue und des Irrthums.Die Unmöglichkeit, alle Verhältnisse der Menschen undDinge zu überschauen, sie alle richtig zu beurtheilen,die Schwierigkeit, einen, alle diese Verhältniße um-fassenden Entschluß zu nehmen, und die dringendeNothwendigkeit, mit Schnelligkeit zu Handel», dasist die Gefahr, die alle Herrscher umgiebt. Durch diestete Befolgung weiser Reglernugsgrunvsätze, durch denüberall wachsamen Selbstblick, durch geprüfte und inder Feuerprobe als gediegen bestandene Männer, dieer alle seines näheren Umgangs würdigte, beugteFriedrich diesen Gefahren des hohen Ranges mitWeisheit und Muth vor. Gewahrte er, daß Trägheit,Unwissenheit, Härte, ihm die Liebe seines Volkes rau-ben, und eine Kluft zwischen dem Throne und derNation eröffnen wellten; dann verfinsterte sich derheitere Himmel in der Seele dieses Monarchen; dann