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Titel und Titulatur.
bum oder Zeitwort in der Mehrzahl setzt. Man sagtezwar schon immer bei abstrakten Titulaturen regieren-der Herren Se. Majestät, Se. Durchlaucht,Se. Gnaden haben befohlen oder sind verreiset rc. re.,sonst aber sagt man ordentlicher Weise: der Fürst hatbefohlen, der Herr ist verreiset. Jetzt ist es nicht genug,von einzelnen regierenden Herren in der Mehrzahl zureden, sondern man wendet es, um fein zu erschei-nen, fast in allen Gesellschaften an. So. sagt man: derHerr Rath haben gewonnen, und die Frau Amtmän-nin haben verloren; der Herr Lieutenant sind auf dieWache gezogen, und der Herr Prediger haben getän-zelt; die Frau Regierungsräthin sind auf dem gehei-men Gemache, und der Herr Staatsrath lassen sichbarbieren rc. rc. So wie jener Kavalier, der auf derJagd dem Monarchen antwortete: Ew. MajestätHerren Hunde sind noch nicht passirt. Daßauch die Geistlichen bei den Titeln und Titulatu-re n nicht imNückstande geblieben sind, ist schon S. 325,erwähnt worden, ja sie waren es eigentlich, die sie aufDeutschen Boden verpflanzten; sie führen jetzt die Ein-gangstitel: Hochwürdigster, Hochwürdiger,Hochgelahrter, Hochchrwürdiger, Hochwohl-ehrwürdiger rc., nach ihnen fingen auch in denReichs-städten die Bürgermeister, überhaupt die Glieder desStadtraths an: Gestrenger, Bester, Ehrenvestcr,Ehr- und Tugendbelobter,Hoch wohl weiser rc.im Kanzleystyle zu gebrauchen, und so pflanzten sich denndie Titulaturen und mit ihnen die Titclsucht fort.
Wenn gleich eine übertriebene Titulomanie oderTitelsucht, wie sie oben aus den früheren Zeiten bisauf die neuere in Deutschland angeführt worden, zu ver-werfen ist, da sie den Deutschen mit diesen Anhängselnin einem lächerlichen Lichte gegen andere gebildete Na-tionen zeigt, so muß man doch auch einsehen, daß ineinem Staate, der seine Organisation oder Einrichtung