683
Ton.
übrigen Schau« und Trauerspielen auftrat, und Gvthedarin, wie in seinen übrigen Romanen, außer demWer«ther, noch bis auf die neueste Zeit leistete, so erhieltenwir auch unsern Corneille, Racine rc., und so bil-dete sich der Geschmack für die Deutsche Literatur, siewurde die Tonangeberin in den Zirkeln, was sonst dieFranzösische gethan hatte; sie erweckte die Unterhaltungüber Musik und Theater, zeichnete die Bahn für häus-liches und öffentliches Leben vor, erwärmte das Herzfür Religion und Tugend, wozu auch so manche Ro-mane von August Lafontaine und Andere beitru-gen, ohne die heiteren Spiele des Witzes und der Launezu beeinträchtigen, die eben sowohl ihre Rechnung fan-den; kurz sie befreiete den gesellschaftlichen Ton von denBanden des Auslandes in so weit, daß man zu fühlenanfing, daß der Deutsche Ton sich auch durch seineSprache und seine Sitten zu erheben im Stande sey,und dieser rühmliche Anfang der Abwerfung der frem-den Maske von dem eigenen blühenden Angeflehte, hattedie glückliche Folge, daß sich die Erziehung späterhinDeutsch gestaltete, woran alle Klassen des Volks Antheilnahmen. Verdanken wir daher der Französischen Lite-ratur, überhaupt den Franzosen, den feinen grschmeidi-neu Ton, Karten und andere Spiele, die Belustigungdurch Wortspiele (Calembours) rc. in unsern Gesell-schaften, verdanken wir ihnen die Anregung zur eigenenAusbildung unserer Sprache und unserer Sitten, undso manche seine Schattirung, um den Mann von Weltin allen Zirkeln gleich kenntlich zu machen, so verdan-ken wir jetzt unserer eigenen die Festhaltung des Deut-schen Charakters und der Deutschen Sitten. Da hiernicht von unserer Literatur, als solche, und deren Wir-kung auf das öffentliche Leben die Rede seyn sollte, son-dern nur von dem Tone, der sich in Gesellschaften dar-aus entwickelte, um den Deutschen Mann von Welt zucharakterifiren, so konnte das ganze Reich der fchönwis-