Band 
Hundert und zwei und neunzigster Theil, welcher die Artikel Typus bis Übersiedelung enthält.
Seite
476
JPEG-Download
 

476 Ueberredung. Ueberredungskunst.

tere derjenigen kennt, auf die man durch Ueberrc-dung zu gewissen Zwecken wirken will, eher derjeni-gen Darstellungsart in der Ueberredung bedienen,durch welche man leichter zum Zwecke gelangt. Mankann hier schon mehr künstlich, und bei dem zweitenGeschlechte einschmeichelnd verfahren, ohne die Wahr-heit zu verletzen.

Ueberredung, s. den vorhergehenden Artikel.

Ueberredungskunst, die Kunst, durch eine wohlge-stelltc Rede die Zuhörer zu gewissen Absichten odergewissen Zwecken zu gewinnen. Der Redner hatdemnach, nach den verschiedenen Verhältnissen, wo-rin er sich befindet, und nach den verschiedenen Zwck-kcn, die er sich vorgesetzt hat, auch mancherlei Mittelnöthig, die nur durch Studium und Uebung er-worben werden können; dasjenige aber, was be-stimmt: wo, wie, und in welchem Maaße ein jedesder vorhandenen Mittel angewendet werden soll,das ist das ethische Gesetz, dem jede Beurtheilungunserer Verhältnisse, unserer Zwecke und unseresgeselligen Wirkens anheim fallen muß. So daßhier das moralische Gesetz, nach Theremin, nichtetwa bloß den Moment anzeigt, wo gehandelt wer-den soll, die Leitung aber einem andern Prinzipeüberläßt, wie es bei der Ausübung einer jedenKunst der Fall seyn würde; sondern die Beredsam-keit in allen ihren verschiedenen Formen ist nichtsweiter, als die Entwickelung des ethischen Triebesselbst. — Wenn nun die Ueberredungskunst nachgewissen Regeln erlernt werden kann, wozu auchdierhethorischen und Sachfiguren gehören, wie Trope,Metapher, Parabel, Allegorie, Hyperbel :c., somuß doch das angebornc Talent des Uebcrredens vor-handen seyn, weil sonst eine künstlich gebildete Rede,nur sehr trocken ausfallen würde, dagegen einedurchdachte und aus dem Gefühle sich entwickelnde,