Band 
Hundert und zwei und neunzigster Theil, welcher die Artikel Typus bis Übersiedelung enthält.
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Überredungskunst.

ergreifende Rede, die mit keinen, oder doch nursehr wenigen Blumen der Redekunst geschmückt ist,ihre Wirkung gewiß nicht verfehlen wird. In derÜberredungskunst steckt die Klugheit, vie Gemütherfür eine Sache zu entflammen und zu lenken. Wersie daher so zu benutzen versteht, daß sich die eigenenEmpfindungen beimUeberredcn auf die Zuhörer über-tragen, daß diese den Zweck, wofür gesprochen wird,ganz empfinden, und sich dafür durch die Aeußerungendes Beifalls erklären, so hat man den Sieg davongetragen. Die Bemerkung Theremins: daß dieMenschen, einzeln genommen, wohl voll von kleinli-chen Leidenschaften seyn könnten; allein diese sich ver-lören, sobald sie in großer Masse versammelt seyen,indem hier nur das rein Menschliche vorwalte, wel-ches immer gut sey, ist wohl richtig, um hiernach aufsie zu wirken, da hier das Interesse jedes Einzelnenmit dem aller Uebrigen zusammenschmilzt, sobald derRedner dieses Interesse, wozu sie versammelt worden,zu wecken und festzuhalten versteht, ist dieses aber nichtder Fall, zeigt sich ihm eine bedeutende Opposition, soist er verloren. Auch die Bemerkung: daß jeder Zu-hörer von Natur argwöhnisch ist, sobald er gewahrt,daß man Ansprüche macht, sein Gemüth zu bearbeiten,ihn für diese oder jene Sache zu gewinnen, und daßer sich hier nur dein redlichen Manne hingeben mag,ist gleichfalls wahr, sobald er sich mit dem Nachden-ken wenig beschäftiget unv das Vertrauen zu demjeni-gen hat, der ihn für sein Interesse, oder für die Sache,die er zu verfechten sucht, gewinnen will. „Nichts istso schwer, sagt Theremin, als den ehrlichen Mannzu spielen, und man wird weit leichter dafür gehalten,wenn man es ist; denn das Bewußtseyn einer gutenSache giebt dem Style eine Farbe, dem Tone einenNachdruck, den ein schlechtes Bewußtseyn nur zumTheil, und nie gänzlich erkünsteln kann, und das mo-