Band 
Hundert und zwei und neunzigster Theil, welcher die Artikel Typus bis Übersiedelung enthält.
Seite
595
JPEG-Download
 

595

Uebersenden. Uebersetzen.

Fehler des äußeren Wohlstandes wird andem Kinde oft hart bestraft, und eine feineUnwahrheit übersieht man ihm (Gell.). Mitder dritten Endung der Person und der Verschweißgung der vierten Endung der Sache ist es veraltet.Ich will meinem Volke Israel nicht mehrübersehen, Amoö 6, 8, Kap. 8, 2, wofür nachse-hen üblicher ist. — 3. Ehemals sagte man auch: Je-manden übersehen, ihn verschonen, seiner schonen,welche Bedeutung aber im Hochdeutschen ^veraltet ist.Das Hauptwort dieUebersehung ist nur in eini-gen Fallen gebräuchlich. S. den Art. Uebersicht,weiter unten.

Uebersenden, ist edler als überschicken, oder wirdvielmehr dafür gehalten, und in der höheren oder ed-leren Schreibart dafür gebraucht. Jemanden einGeschenk, einenBries,Waaren,Geldw. über-senden.

Uebersetzen, über etwas setzen, das heißt, springen.Ueber einen Bach, einen Graben setzen,wenn man hinüberspringt, nämlich mit einem Ansätze,um dadurch eine Verdoppelung der Kraft zum Ueber-setzen zu erhalten. Mit einem Pferde über ei-nen Graben setzen, wenn man demselben die Spo-ren in die Seite setzt, und es so zumUebersetzen zwingt.S. auch Ucberspringen, weiter unten. — Bei denJägern übersetzen die Hirsche, wenn sie überdie Tücher springen; deshalb müssen die Tücher vonsolcher Höhe seyn, daß sie nicht übersetzen können.Man braucht hier auch die Zeitwörter überfallenund überfliehen. — Ueber einen Fluß setzen,in der Schifffahrt, mit einem Kahne, also hinüber-fahren. — Im Bergbaue setzt ein Gang über,wenn er einen andern Gang durchschneidet, das heißt,wenn die Richtungslinie eines Ganges oder eines Or-tes seitwärts die Richtungslinie eines andern Ganges

P P 2