Band 
Hundert und zwei und neunzigster Theil, welcher die Artikel Typus bis Übersiedelung enthält.
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Uebcrsetzen.

der Völker, in deren Sprachen sie verfaßt worden, desZeitgeistes, in welchem sich die dabei figurirenden Per-sonen bewegen, wo solche nämlich in irgend einem ab-gehandelten Gegenstände vorkommen; kurz so vielBesonderes und Eigenthümliches, was sich hier nurandeuten, aber nicht zergliedern läßt. Von den zumNutzen und zum Vergnügen verfaßten Schriften machtdas oben Gesagte den wissenschaftlichen TheilderUeber-setzungen aus; man erlangt ihn leichter, und er ist hin-reichend für diejenigen Schriften, deren Inhalt alleinden Verstand beschäftiget, für die ernsten Wissenschaftenund Künste; allein für die schönen Wissenschaften undKünste, welche die Phantasie beschäftigen, und also dasHerz oder das Gemüth und die Sinne in Anspruchnehmen, und deren Sprache führen, kurz das Gefühl er-wecken und beleben, wie die Dichtkunst in allen ihrenZweigen, erfordern Genie und Talent, um sie so in derÜbersetzung wiederzugeben, mit eben der Empfin-dung, eben der Glut und dem Zauber des Originals,ohne dabei in das Schwülstige zu gerathen. Neuheitdes Gedankens bei einem Dichter und dann das tiefEmpfundene in dem Gemälde seiner dargestelltenWelt. Ein Schriftsteller sagt hier sehr wahr: „DerUebersetzer empfindet nur nach, und muß eigene Em-pfindung ausdrücken. Wie unzulänglich ist oft diefeurigste Einbildungskraft, diesem Zwecke zu entspre-chen ! Gesetzt nun auch, daß dieses gelingt (ein leb-hafter Geist kann sich ganz in Situationen versetzen),wie schwer ist es aber nicht, in dem Augenblicke derheftigsten Bewegung die Seele auf einem gewissenPunkte zu fesseln. Der Verstand und das Gefühl,beide dürfen nicht über die Grenze derVorschrift schrei-ten; denn daher entsteht Gczwungenheit des Aus-drucks. Die unter dem Talent begriffene Eigen-schaft scheint selbst bei der Bearbeitung des trocken-sten Gegenstandes nothwendig; es ist nämlich ein in-tellektuelles Gefühl der Feinheit der Sprachen, wel-