Band 
Hundert und zwei und neunzigster Theil, welcher die Artikel Typus bis Übersiedelung enthält.
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Uebersiedeln und Uebersiedelung. 605

deutlich zu erkennen; auch nehmen sie gewöhnlich dieSchrift eines Buches oder sonst etwas Geschriebe-nes immer in etwas schräger Richtung vor dasGesicht. Bei Mehreren ist dies ein Naturfehler,bei Andern wieder eine Angewohnheit, ein Fehler,der aus Gewohnheit und Affektation entsteht, umeine Brille tragen zu können, und gelehrt zu er-scheinen. Man nennt dergleichen Leute in derMark Brandenburg im untern Bolke: schieleWippe. Bei einer merklichen Kurzsichtigkeit mußman sich immer hohl- oder concavgeschliffener Bril-len bedienen.

Uebersiedeln, sich an einen andern Ort begeben undfestsetzen, daher auch die Uebersiedelung. DasWort übersiedeln ist in neuerer Zeit sehr gangbargeworden, indem es mit auswandern und colo-nisiren als gleichbedeutend genommen wird, undbe-sonders die Auswanderung nach überseeischen Ländern,nach andern Welttheilen bedeutet, die seit ungefährzwanzig Jahren auch bei den Deutschen sehr rege ge-worden ist, und besonders bei den Süd- und West-deutschen nach Nord-, Mittel- (besonders nach denvereinigten Mexikanischen Staaten) und nach Süd-Amerika (Brasilien). Das Uebersiedeln aus ei-ner Gegend in die andere, aus einem Lande in dasandere, ist nicht neu, sondern die ältesten Völker, soweit die Geschichte hinaufreicht, geben uns davon Bei-spiele. Selbst die bekannten Völkerwanderungen vonAsien aus nach Europa kurz vor dem Sturze des Rö-mischen Westreiches, waren Uebersiedelungen Asiati-scher Nomadenvölker. Aus der Bibel sind die Wan-derungen oder Uebersiedelungen aus einer GegendAsiens in die andere, und die dadurch entstandeneTrennung von Stämmen der Nomadenvölker, wieAbrahams und Lots, der Auszug der KinderJsraelsauöAegypten durchMoses Führung rc.,bekannt; so